FeedMoropua
ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Moropua, Negerreich im Innern Südafrikas, dessen Völker sich selbst mit dem Namen Moluwa bezeichnen; erstreckt sich etwa zwischen 4—180 südl. Br. und 21—26" östl. L. von Greenwich; im Osten wird es durch eine breite Wüste vom Lande des Kazembe getrennt, im Süden vom Lande Lobal, im Westen von den Djibokoe-Ländern begrenzt; im Norden und Osten ist das Land hügelig, stark wellenförmig, mit hohen Wäldern bedeckt; die höchste Erhebung ist im Südwesten, von da flacht sich das Land nach Süden und Osten mehr und mehr ab, bis es von Katonde und Katema aus in eine fast waldlose, grasreiche Fläche übergeht, welehe periodischen Überschwemmungen ausgesetzt ist. Der Boden ist im allgemeinen sandig, mehr oder weniger reich an Humus, überall aber reich bewässert. Flüsse: Kasai, Lulua, Luembo, Kassongo, Masasa, Liambey, Kifumadschi u. m. a.; die bedeutendsten Seeen sind der Dilolo und Kifumadschi; das Klima ist gemässigt, in den den Überschwemmungen ausgesetzten Gegenden aber herrschen Fieber und Ruhr. Von Haustieren giebt es viel Ziegen und Hühner, wenig Hornvieh und Schafe; von wilden Tieren Elefanten und grosse Schlangen, namentlich um den Dilolo-See. Aus dem Mineralreiche findet sich häufig Eisenerz, und im Südosten wird aus Malachit viel Kupfer sewOnnen, Vie Moluwavölkerzeichnen sich durch hohen, schlanken Wuchs und vorteilhaftes Äussere aus und sind kriegerisch, gegen Freunde aber gastireundlich; ihre Waffen sind Pfeil und Bogen, Spiesse und Beile; sie sind imdustriös, fertigen - Gewebe, Schmucksachen, Waffen und selbst Gewehre, erbauen Mariok, Tabak, Zuckerrohr, Baumwolle und kultivieren Ananas, auch Denderpalmen. Sie sind Heiden, haben Vielweiberei und Beschneidung und opfern trotz ihrer teilweisen Kultur auch Menschen; Handelsartikel sind besonders Elfenbein und Sklaven. Die Zahl der Bewohner schätzt man auf 1 Million. Die Regierung ist despotisch; der Herrscher führt den Titel Muati-janvo (Matiamvo). Eingeteilt ist das Reich in eine Anzahl Vasallenstaaten, von denen jeder unter einem besonderen Häuptling (Muanangana) steht, welcher Tribut zahlt und von einem besonderen Beamten des Muati-janvo überwacht wird. Die Hauptstadt des Reiches wechselt ;in den fünfziger Jahren hiess sie Kabeba, eine Stadt mit 50000 Einw., etwa unter 80 südl. Br. und zwischen 230 u. 240 östl.L. v. Gr. ; jetzt heisst sie Mussumba (s. d.).

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 2, S. 946Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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