FeedZululand (Sululand)
ErdkundeBrockhaus 1882

Zululand (Sululand), Gebiet an der Südostküste Afrikas, nordöstlich von Natal und südöstlich von der südafrikan. Republik gelegen, erstreckt sich von den östl. Vorbergen der Drakenberge bis an die See. Bis auf einen verhältnismäßig niedrigen schmalen Küstensaum ist das ganze Land von Gebirgen und Hügelgebieten durchzogen; die Lebomboberge scheiden, in nordsüdl. Richtung verlaufend, das Küstenland von dem gebirgigen Hinern. Z. hat, weil am regenauffangenden Osthange der Drakenberge liegend, eine sehr gute Bewässerung; unter den Flüssen sind die wichtigsten der Tugela (Grenzfluß gegen Natal), der Umlatusi, der Umwolofi (den mittlern Teil des Landes durchströmend), der Mkusi und der Pongola (Grenzfluß gegen Transvaal). Der nördl. Teil der Küste grenzt an einen mächtigen Küstensee, die St.⸗Lucia-Lagune, deren Ausfluß, vereinigt mit dem Umwolosistrom, in die St.-Luciabai mundet. Das Land wird als zum größten Teil sehr schön und fruchtbar geschildert; während die Küstendistrikte sehr heiß sind und vielfach als ungesund gelten, wird das Klima des Hochlandes als überaus gesund gelobt. Die Eingeborenen bauen Mais, Kaffernkorn, Bohnen, Kürbisse und Bataten; Löwen und Elefanten, Flußpferde und Krokodile sind selten geworden, Leopard und Hyäne noch zahlreich; die Büffel und Antilopen-Tei u nehmen ab. Zahlreich sind Schlangen, zum Teil überaus giftige. Schaf und Ziege, Rindvieh und Pferde gedeihen trefflich. Die mineralischen Bodenschätze sind noch ungenügend bekannt; Eisen wird an vielen Stellen gefunden. Die einheimische Bevölkerung bilden die Zulukaffern (s. d.). Zu Ende der siebziger Jahre des 19. Jahrh. bildeten die Zulus unter Ketschwayo (s.d.)Neine außerordentlich drohende Gefahr für die benachbarte brit. Kolonie Natal. Nach Gefangennahme dieses Königs teilte England das Z. unter 13 Häuptlinge; infolge der durch die gegenseitigen Befehdungen dieser Kleinfürsten hervorgerufenen Unsicherheit in Z. fand sich England jedoch bewogen, im Jan. 1883 Ketschwayo als König in sein Land zurückzuführen, welches freilich zuvor durch Dreiteilung sehr verringert wurde. Der westl. Grenzstreifen zwischen Tugela und Umlatusi wurde als «Zulu Reserve Territorys unter engl. Schutz gestellt, der nordöstl. Teil einem andern Häuptling, Usibepu, überlassen; die so verringerte Mitte bildete das neue Königreich Ketschwayos. Usibepu vertrieb den König, der, von England ohne Schutz gelassen, im Febr. 1884 starb. Ketschwayos Sohn Dinizulu wurde von einer großen Partei anerkannt und suchte zur Festigung seines Throns Hilfe bei den Boers. Mit Unterstützung von etwa 400 Boers vertrieb er Usibepu und einigte so wiederum ganz 3., mit Ausschluß der Zulu Reserve. Er überließ dann den Boers als Lohn den nördl. Teil seines Landes, woselbst diese am 16. Aug. 1884 die Neue Republik gründeten; zugleich erkannte Dinizulu ihr Protektorat über sein Land an. Zum Präsidenten der Neuen Republik wurde L. J. Meyer erwählt und nahe der Grenze gegen Transvaal die Hauptstadt Vrisheid gegründet. Nach und nach occupierten die Boers fast das ganze unabhängige 3., indem sie Dinizulu nur den nordöstl. Teil seines Reichs beließen. So erreichte die Neue Republik endlich das Meer, wo sie die Küste zwischen St. Luciabai und dem Tugela beansprucht. Hier hatte bereits im Nov. 1884 der deutsche Reisende Einwald von Dinizulu an der St. Luciabai ein Gebiet von 400 alm für den bremer Kaufherrn Lüderitz (s. d.) erworben. England machte dagegen angebliche ältere Rechtsansprüche geltend. Im Mai 1885 gab Deutschland gelegentlich anderweitiger afrik. Grenzregulierungen seinen Anspruch auf. Gegen die Gültigkeit der engl. Ansprüche auf St.⸗Luciabai legte die südafrik. Republik Verwahrung ein. Um die Boers zu unterdrücken, bat die Volksvertretung der Kolonie Natal die brit. Regierung um Annexion des ganzen Z. durch England und erklärte sich bereit, die Kosten der Verwaltung zu tragen; England verwarf diesen Vorschlag und entsandte einen Kommissar zur Verhandlung mit den Boers. Diese führte zu dem Ergebnis, daß England das Protektorat über die östl. Hälfte von Z. übernehmen, in der westl. Hälfte dagegen die Souveränetät der Neuen Republik anerkennen will. Es wurde eine Kommission zur Feststellung der Grenzen ernannt, die ihre Arbeiten im Dez. 1886 begann. Vgl. England und Deutschland in Südafrika⸗ (Weim. 1885), Preeis of information concerning 2. »(Lond. 1886).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 957Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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