FeedNatal (Natalland, Natalien)
VerkehrAfrika Hand-Lexikon 1885
Natal (Natalland, Natalien)

Natal (Natalland, Natalien), 1) brit. Kolonie an der Ostküste von Südafrıka, so genannt nach dem Hafenorte Port Natal, liest zum grössten Teile zwischen 281), m 3108 Br u. zwischen 46° 10' u. 490 10° ö.L. Im Norden und Nordosten bilden der Umsinjati und Tugela die Grenze gegen das Land der Zulukaffern, östlich bespült der Indische Ozean die Küste, südlich trennen der Um-Simkulu und dessen rechte Zuflüsse, sowie der Umtonfana N. vom sogenannten jenseitigen Kaffernlande, und westwärts scheidet das Quathlamba- oder Drakenberggebirge die Kolonie von der Oranjefluss- und Transvaalschen Republik. Die Küstenlänge beträgt etwa 43 Meilen, der Flächengehalt 1145 QM.; die Küste ist fast durchgängig steil und bietet nur den einzigen guten Hafen zu Port N. dar; längs der Küste ist das Land niedrig und steigt nach dem Innern terrassenförmig auf, bis es ganz den Gebirgscharakter annimmt und mitden Gipfeln des Quathlambagebirges, über welches nur der Bezuidenhout- und der Beerspass führen, bis zu 9000 Fuss Höhe auf. Die zahlreichen Gewässer des Landes strömen sämtlich von diesem Gebirge südöstlich dem Indischen Ozean zu; die hauptsächlichsten sind der Tugela mit seinen zahl- . H eidn N 4. Jan Jonker. — 5. Biaı reichen Nebenflüssen, der Umvoti, Umgeni (welcher einen 280 Fuss hohen Wasserfall bildet), Umlasi, Toro; Umkomansi, Umsimkulu u. a.; fast alle Flüsse tragen den Charakter von Bergströmen, sind in der trockenen Jahreszeit seicht und bilden bei regnerischem Wetter mächtige Ströme. Die Physiognomie des Landes bietet grosse Verschiedenheit dar, besonders zwischen der Küstenregion und dem Binnenlande, im allgemeinen ist jedoch die Oberfläche stark wellenförmig und die Gewässer bilden tiefe Schluchten, wodurch die Gangbarkeit des Landes sehr beeinträchtigt wird. Der Boden besteht im allgemeinen aus ausgedehnten Lagern grob geschichteten Sandsteins, ohne alle organische Reste, in manchen Fällen von grossen Massen eruptiven Gesteins durchbrochen und gewaltsam verworfen; in den höheren Teilen des Landes treten zum Sandstein noch Konglomerat und’ Schiefer hinzu; von Metallen findet sich Kupfer und sehr gutes Eisen, ausserdem Steinkohle (teilweise zu Tage ausgehend, jedoch entfernt von der Küste und daher noch wenig benutzt), Salz und Kalk. Die Kohlenlager von N. wurden im Auftrag der englischen Regierung 1880 und 1881 von Fred. W. Nortlı untersucht; dieselben kommen in grosser Ausdehnung, namentlich im Klip River-County, also im nördlichsten Teil von N., in geringem Umfang an den Quellen des Umvoti und endlich in einem Streifen längs der Meeresküste von der Tugela bis gegen D’Urbanhin vor („Reportuponthe coalfields of Klip River, Weenan, Umvoti, and Victoria Counties“, Lond. 1881). Die Art und Fruchtbarkeit des Bodens wechseln sehr; Alluvialboden ist selten, fast nur an den Flussmündungen; in der Nähe der Küste ist Sand vorherrschend, landeinwärts überwiegt Lehm und Thon; Mineralquellen finden sich mehrfach, namentlich im Distrikt Umvoti. Das Klima ist im allgemeinen sehr günstig; vom September bis März ist Sommer, die übrige Zeit kann als Winter angesehen werden, denn die Übergangszeiten des Frühlings und Herbstes sind sehr kurz; Regen fällt im Sommer sehr viel, im Winter sehr selten; die allmähliche Erhebung des Bodens nach dem Innern bedingt ausserdem eine grosse Mannigfaltigkeit des Klimas und teilt das Land in drei klimatische Regionen; in der Küstenzone hat der Sommer die Wärme der Tropen, der Winter bedingt nur selten schwachen Reif; die mittlere Zone hat gleichfalls einen sehr warmen Sommer, allein im Winter entsteht schon bisweilen Eis; in der oberen Zone endlich sind die Berge häufig mit Schnee bedeckt, wiewohl auch hier der Sommer noch warm ist; die herrschenden Winde sind die nordwestlichen u. südöstlichen, die ersteren sind häufig heiss und unangenehm; die am häufigsten vorkommenden Krankheiten sind Ruhr, Diarrhöe und Rheumatismus. Die Produkte von N. sind reich und manmnigfaltig; es finden sich einheimisch Acanthaceen, Solanaceen, Scrophulariaceen, Buphorbien, viele Gräser und Farren, dann Chinarinde, Ipecacuanha, Erbsen, Bohnen, Mimosen, Indigo, Sassaparilla, die Erdnuss; Mais, Kafferkorn, Gerste, Spargel, Feigen etc.; angebaut werden besonders Kaffee, Tabak, Thee, Zuckerrohr, sowie überhaupt eine Menge tropischer und fast alle europäische Feld-, Garten- und Baumfrüchte von der Ananas und Banane bis zu den nordischen Gemüsen. Die wenigen Wälder besteben aus Gelbholz (Taxus elongata), Stink-, Eisen- und Assegaiholz. Die Tierwelt ist der von Südafrika überhaupt ähnlich, es giebt Antilopen, Affen, wilde Katzen, Ameisenfresser ete., Vögel in grosser Mannigfaltigkeit, die Flüsse sind reich an Fischen, von Haustieren giebt es Rinder, Fettschwanzschafe, Schweine, Ziegen ete. Die Einwohner betragen etwa 1120C0 Seelen, von denen jedoch kaum 7000 Holländer und Briten (auch einige Deutsche) sind, während die Hauptmasse der Bevölkerung eingeborene Kaffern (zum Teil christlich) sind. Für den ‘Verkehr zu Lande sind Posten zwischen den Hauptorten eingeführt; den Verkehr mit der Kapstadt unterhält ein regelmässiger Dampfschiffkurs. Der Handel ist ziemlieh bedeutend; eingeführt werden besonderskurze u. Putzwaren, Wollen- und Baumwollenstoffe, Branntwein, Zucker, Kaffee, Thee ; ausgeführt Elfenbein, Häute, Butter, Wolle, Rind- und Schweinefleisch. Für den Unterricht, auch der Farbigen, ist in zahlreichen Schulen gesorgt. Die Kolonie steht (seit 1856) unter einem eigenen Gouverneur, dem ein exekutives Couneil und eine leeislative Versammlung zur Seite steht. Bis 1852 war die Kolonie in 11 Divisionen eingeteilt, seit- ..dem in. 6 Counties (D’Urban, Pieter-Maritzburg, Victoria, Umvoti, Weenen und Umsinjati oder Klippfluss); jede Kolonie zerfällt wieder in drei oder vier Distrikte (Wards). Hauptstadt und Sitz des Gouverneurs ist Pietermaritzburg. Von Vasco de Gama 1497 am Weihnachtstage (und daher von Natalis Jesu, dem Geburtstage Jesu, N. genannt) zuerst, dann 1575 von dem Portugiesen Perastrello besucht, blieb N. trotz seiner günstigen Beschaftenheit lange unkolonisiert, Eine 1719 gegründete.holländische Kolonie, deren ersten Grund die Mannschaft des 1688 an der Küste gescheiterten Schiffes Slavenus gelest, ging bald wieder ein; ebensowenig Dauer hatte der Kolonisationsversuch des engl. Leutnants Farewell, dem 1828 von dem Zulukönige 2558 QM. Land abgetreten wurden. Eine neue Ansiedelung von Engländern, welche 1834 unter Kapitän Gardiner ankamen und von dem Kaffernhäuptling Dingaan 515 QM. Boden abgetreten erhielten, dann eine Republik unter dem Namen Viktoria konstituierten und die Hafenstadt Port D’Urban gründeten, gedieh ebenfalls nicht, da sie von der britischen Regierung keine Unterstützung fand. Um sich daher zu verstärken, forderten die englischen Kolonisten die holländischen Boeren- auf, über die Quathlambapässe an die Küste zu kommen und sieh mit ihnen zu vereinigen. Der Anführer der Boeren, Retief, leistete dieser Aufforderung 1837 folge, wurde aber mit den Seinigen von dem Kaffernuhäuptling Dingaan verräterisch überfallen und ermordet und auch die unter Pieter Uys und H. Potgieter zu Hilfe eilenden Boeren wurden geschlagen, Die Boeren schlugen nun ihr Lager an der Stelle des jetzigen Pietermaritzburg auf, auch hier von Dingaan angegriffen, bereiteten sie dem Häuptling mit Hilfe der Zuzüge unter Andr. Pretorius am 16. Dezember eine vollständige Niederlage. Da Dingaan den Frieden nicht hielt, verbanden sich 1838 die Doeren mit seinem Bruder Panda, vernichteten Dingaans Macht vollständig und setzten Panda als Zulukönig unter Botmässigkeit der Boeren ein. Nun hatten die Kolonisten Ruhe und begannen sich als Batavisch-Afrikanische Maatschappij zu konstituieren und gründeten Pietermaritzburg, als im November 1840 der englische Gouverneur der Kapkolonie, Napier, in einer Proklamation den Boeren das Recht bestritt, sich als selbständige Genossenschaft niederzulassen. Die Boeren protestierten hiergegen, und als eine 1842 unter Kapitän Smith angekommene englische Truppenabteilung auf die Weisung von Pretorius, das Land wieder zu räumen, nicht Folge gab, schlossen die Boeren die englischen Truppen in ihrem befestigten Lager ein. Als jedoch englische Verstärkungen ankamen, zogen sich die Boeren von der Küste zurück und traten in Unterhandlung, welche dazu führte, dass ein Teil der Ansiedler gegen Gewähr der Amnestie und des Rechts der eigenen Ordnung innerer Angelegenheiten die Unterwerfung unter britische ÖOberhoheit annahm, während ein anderer grosser Teil nach Westen und Norden auswanderte. So war N. nun ein britisches Gebiet, welches unter dem Gouverneur des Kaplandes stand und einen speziellen Vizegouverneur erhielt. Die Grenze nordwärts bildete der Klippfluss; bald beanspruchten die Briten jedoch den Büffelfluss als Nordgrenze. Infolgedessen griff der Zuluhäuptling Panda die daselbst angesiedelten Boeren an, ohne jedoch etwas auszurichten; als Panda aber darauf 1845 durch britische Kommissäre bestimmt wurde, den Büffelfluss als Nordgrenze des englischen Gebietes anzuerkennen, entstand eine massenhafte Auswanderung der Boeren nach dem Gebiet des Vaalflusses. Diese und die früher ausgewanderten Boeren gründeten nun zwei neue Staaten, die Transvaalsche und die Oranjeflussrepublik (s. d.), deren Unabhängigkeit, wenn auch erst nach manchen Kämpfen, von den Briten anerkannt wurde. Die Kolonie N. wurde von den Briten behufs ihrer Verwaltung in elf Divisionen geteilt; erst 1852 erhielt sie die gegenwärtige Administrativeinteilung. Im Juli 1856 wurde die Kolonie sodann von der Kapkolonie abgetrennt und unter einem eigenen britischen Gouverneur zur Selbständigkeit erhoben. Nach neueren Schätzungen beläuft sich das Areal von Natal auf 48600 DIKilometer, die Bevölkerung auf 364300 Seelen. Vergl. Delegorgue, Voyage dans l’Afrique australe notamment dans le territoire de N., Par. 1847; Vogt, Reis naar en vertelijf aan de Kaap en te N., Campen 1850; Mann, The Colony of Natal, London 1860; Silver, Handbook for South Africa, ineluding the Cape Colony, Natal, the Diamond fields and the Trans-Orange Republies (1875).

Natal (Natalland, Natalien)
Strasse in D’Urban, Natal,
Strasse in D’Urban, Natal,
Küstenwald in Natal.
Küstenwald in Natal.
Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 967Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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