
Transvaal, von Boeren gegründeter Freistaat in Südafrika. Zwei‘: grosse Flüsse bilden nach Süden und Norden die Grenze des Landes: der in den Oranje mündende Vaal und der dem Indischen Ozean zuströmende Limpopo, welche beide zahlreiche Nebenflüsse aufnehmen. Ein von Westen nach Osten sich erstreckendes Hochland, das Hooge veld, bildet die Wasserscheide zwischen den beiden Flüssen, 30—60 km breit bei einer durchschnittlichen relativen Höhe von 100 —200 m. Zwei Gebirgsketten durchziehen das Land, beide in der Richtung von Südwest nach Nordost: die Maggaliesberge und das Draken- oder Kathlamba-Gebirge. Ein schmales Thal trennt das Hooge veld von den 200--300 m höheren "Magaliesber gen. „Nördlich derselben wird das Gebiet der Transvaal teils von plateauartigen Massen, welche sich 100 — 200 m über das allgemeine Niveau erheben und von isolierten Klippenbergen gekrönt werden, teils von Bergreihen und Zügen durchzogen, welche im allgemeinen in Westsüdwest - Ostnordost-Richtung streichen. Von dem Hohen Feld trennt diese Erhebungen eine von dichtem Buschwald bedeckte Ebene, welche im westlichen Teil als Buschfeld bekannt ist. Zu den ersteren gehören die Pilands-Berge, Water-Berge, Zoutpans-Berge, Blau-Berg und Matyatyas-Berg, zu den letzteren die Dwars-Berge, Witfontein-Berge und die zahlreichen, ihrer Kup- .penform wegen Koppies - Berge benannten isolierten Klippenberge. Der Plateaurand gegen den Limpopo ist durch eine Reihe von Erhebungen ausgeprägt, welche unter dem Namen der Mural-Berge, Siloquana - Berge, Tweede- und Derde-Berge bekannt sind und kaum 100—150 m relativer Höhe erreichen. Am reichsten gegliedert, d.h. zerklüftet und zerrissen, ist die Hochebene an ihrem Östrande in den Golddistrikten von Lydenburg; bier erreicht die Hochebene auch im allgemeinen Niveau ihren Kulminationspunkt und zeigt auch ein ziemlich bedeutendes Gefälle gegen die vom Olifant (Lepalule) begrenzte Ebene.“ Die Drakenberge, welche die Grenze zwischen dem Freistaat und nördlichen Natal, und die Wasserscheide zwischen dem Indischen und Atlantischen Ozean bilden, sind die Fortsetzung jenes Höhenzuges, dem wir auch unter dem Namen Storm-Berge am Rande des südafrikanischen Hochplateaus begesnen. „Zwischen 290 und 30% südl. Br., mithin im mittlern Teile der ganzen Kammlinie, erreichen die Draken-Berge im Cathkin Peak oder Champagne Castel ihren absoluten Kulminationspunkt mit 8157 m; diesem zunächst erreicht der Kamm im Mont aux Sources 8048, im Giants Peak (Riesenkopf) 2943 m. Der Abfall der ebenfalls durch die charakteristische Tafelform ihrer einzelnen die Kammlinie überhöhenden Berge ausgezeichneten Draken-Berge ist nach Osten, d. h. zur Küste, weit beträchtlicher und steiler als nach dem Innern, und diese liegen durchschnittlich in 1600— 1900 m Seehöhe. Die Höhe des Kammes unterliegt verhältnismässig geringen Schwankungen und beträgt in den Ipoko-Bergen 1800, in den Verzamel-Bergen 1700 m, während die Gipfelhöhen in den ersteren nur mehr 2196 m erreichen. Im Norden der Verzamel-Berge geht der bisherige Kamm der Draken-Berge wieder in den von isolierten Bergmassen überhöhten Steilrand des Hochplateaus über.“ Grossartige Gebirgslandschaften entrollen sich da vor den Blicken des Wanderers, aber nirgends gewahrt sein Auge Leben, nirgends Ansiedelungen, wenn er von einem der Gipfel der Draken-Berge die ihn umgebende Bergwelt überblickt, und die unbelebte Natur lässt den Beschauer kalt. Und doch könnte die Landschaft leicht ein anderes Aussehen gewinnen, denn der Boden Transvaals ist sehr fruchtbar. Hier gedeihen sowohl alle europäischen Pflanzen und Getreidearten als auch fast alle Gewächse der Tropen. Obst giebt es das ganze Jahr, denn Weintrauben, Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Äpfel, Pflaumen, Wallnüsse u. s. w. reifen im Sommer, Bananen, Apfelsinen, Guyaven u. s. w. im Winter, Weizen liefert häufig 40—50fachen Ertrag, Mais gedeiht vortrefflich und wird, nachdem der grosse inländische Bedarf gedeckt ist, noch in bedeu-. tenden Mengen ausgeführt. Alle Gemüsearten, welche bei uns gezogen werden, kommen auch in Transvaal fort. Tabak bildet wegen seiner guten Qualität bereits einen sehr besehrten Ausfuhrartikel, und der Kaffeebaum, Reis, Hanf, Flachs und Baumwolle wachsen in verschiedenen Distrikten wild. Der Viehzüchter findet in Transvaal noch die herrlichsten Weidegründe, die er sich wünschen kann. Das Gras wird oft 6—7 Fuss hoch, und auch hier wird es noch von vielen im Winter niedergebrannt, um in seiner Asche Dünger für den Boden zu gewinnen, bevor die befruchtenden Frühjahrsregen kommen. Heuvorräte für den Winter zu sammeln, ist hier überflüssig, denn wenn im Winter — hier die trockene Jahreszeit — das Gras auf den Weideplätzen dürr wird, zieht der Bauer mıt Seinen Herden nordwärts ın das sogenannte Buschfeld, wo er das ganze Jahr hindurch frisch grünes Gras findet. Auch die Jagd liefert noch gute Ausbeute, und der Bauer bringt von seinen Jagdzügen in der Regel eine Menge Felle und Häute der erlegten Tiere mit nach Haus. In den dichter bevölkerten Teilen
