
Neger, die zunächst durch die Schwärze ihrer Haut sich auszeichnende äthiopische Menschenrasse. Die Heimat der N. ist Afrika, obgleich negerartige Völker sich auch z. B. auf den Südseeinseln einheimisch gefunden haben. In Afrika findet sich die Negerbildung in dem ganzen Gebiete, welches sich von der Südspitze nordwärts bis zum Senegal, der Wüste Sahara und den Südgrenzen von NubienundHabesch erstreckt, wenn gleich die Völker des äussersten Südens mit den Hottentotten und Kaflern schon einen teilweisen Übergang zur malayischen Rasse bilden. Das heisse Klima dieser Gegenden mag wohl die schwarze Hautfärbung begünstigen, jedoch alleinige Ursache der Schwärze der N. ist sie nicht. Auch findet sich das Maximum der schwarzen Farbe keineswegs unter dem Aquator, sondern bei Völkerschaften, welche, wie die Jolofs schon in ziemlicher Entfernung davon, am Südrande des Senegal, also an der Grenzscheide gegen die Araberbevölkerung wohnen. Gegen den Äquator nimmt die schwarze E Färbung der Negerrasse sogar allmählich und während die Tolois. eines der nördlichsten Glieder derselben, sowie der Mapoutakaffern, eins der südlichen an der Ostküste, eine dunkelschwarz glänzende, poliertem Eichenholz ähn-Tiche Haut besitzen, geht die Farbe der nördlichen N. nach dem Äquator allmählich in eine unreine oder rötliche über, was besonders bei den Aschanti's und Ibus der Fall ist. Einzelne grosse Zweige der Rasse, wie die weitverbreiteten Fellatah, weichen sogar durch ihre helle Farbe so sehr von den übrigen Bewohnern des Binnenlandes ab, dass sie von den schwarzen Eingeborenen mit den Weissen gleichgestellt werden. Zuweilen sind die N. durch das Olivenfarbige ihrer Haut von den südlichen Spaniern und Portugiesen gar nicht zu unterscheiden. Ebenso besitzen fast unter dem Äquator wohnende :Kaffern eine hellbraune Farbe. Die hellsten Glieder der äthiopischen Rasse sind ausser den Fellatah die Hottentottenstämme des Kaplandes, deren Hautfarbe ihnen meist das Ansehen von mit‘ der Gelbsucht behafteten Kranken giebt. Im übrigen nehmen auch weisse Menschen in Afrika wohl eine dunklere, nie aber eine schwarze Farbe an. Geboren werden die Negerkinder gelblichweiss und sind nur an einigen Körperteilen, wie um die Augen und um die Brustwarzen herum, auch an den Rändern der Nägel, schwarz gefärbt, werden aber sehr bald (schon zwischen dem dritten und sechsten Tag) schwarz, ehe noch das Klima einwirkt; auch behalten Negerfamilienin anderenundgemässigteren Erdstrichen ihre Schwärze mehrere Generationen hindurch und geben, mit Weissen vermischt, Nüancen von dunkeler und heller Hautfarbe, in dem Masse als die Vermischung mit Weissen durch mehrere Generationen hindurch sich wiederholt. Der Sitz der schwarzen Farbe des N. ist das Schleimnetz und die äussere Fläche der Lederhaut, daher die Schwärze wegfällt, wenn das Schleimnetz zerstörtist, wie bei Narben und bei manchen Arten des Aussatzes; auch wird in Krankheitszuständen allerlei Art, auch in hohem Alter, die bei kräftigen und gesunden N. glänzende Schwärze matt, bräunlich oder ins Graue fallend; auch sind die mit dickerer Oberhaut überkleideten Körperstellen, namentlich die inneren Hautflächen und Flusssohlen, weniger schwarz; an den Wangen junger Negerinnen schimmert zuweilen etwas Röte durch. Aber nicht die Schwärze allein macht die Negerhaut zu einer eigentümlichen, sondern diese zeichnet sich auch durch sammtartige Weichheit, Fettigkeit beim Anfühlen und reichliche Absonderung eines knoblauchartig riechenden Schweisses aus, welcher mit der Kräftigkeit der übrigen Negerbildung in Übereinstimmung steht, daher auch bei den verschie-. denen Negernationen abweichend ist; der Geruch dieses Schweisses teilt sich selbst den Fusstapfen des N. auf einige Zeit mit. Als Albinos sind die N. ‘ganz weiss, bleiben aber deswegen noch derselben Menschenrasse angehörig. Das eigentlich Unterscheidende geht nämlich von der allgemeinen Körper- besonders von der Kopfbildung aus, indem der Negerschädel eine von den Schädeln anderer Menschenrassen auffallend abweichende Bildung hat. In ihm ist wegen vorwaltender Ausbildung des Gesichtsteiles vor der des Hirnschädelteiles, wegen Verlängerung beider Kiefer vorwärts und bei dem kleineren Gesichtswinkel (von nur etwa 70°, wogegen der beim Europäer 800 bis 90% beträgt) eine Annäherung an die Affenbildung nicht zu verkennen. Die Stirn ist weniger vorwärts gewölbt und meist höckerig, der Hinterkopf platter; von einer Seite zur anderen erscheint der ganze Schädel wie zusammengedrückt; das Gehirm findet in ihm verhältnismässig weniger Geräumigkeit. Äusserlich stehen die Jochbogen weiter vom übrigen Schädel ab; die Backenknochen springen bedeutend vor, sind stark und breit, fast viereekig; die Augenhöhlen sind geräumiger, und ihr äusserer Umfang ist weiter, die Nasenlöcher machen gegeneinander einen sehr stumpfen Winkel, die birnförmige Öffnung der knöchernen Nasenhöhle ist sehr gross wickelt, auch die äussere des Gehörorgans ist gross, d: der aufsteigende Ast des Unte sehr breit; sein (stumpfer) nähert sich mehr einem recht Körper des Unterkiefers ist mengewölbe sehr ausgedehnt, länger und rauher. Der Fortsatz des Oberkiefers ist grösser und breiter und dicker, unebener; das Kinn ist nicht ausgebildet, sondern wie zurückgedrängt; dieZähne beider Kiefer stossen unter einem spitzigeren Winkel zusammen, sind stark, breit und dick und stehen in dichteren Reihen beisammen. Aberauch dieübrigeKnochenbildung ist abweichend; die knöcherne Brusthöhle ist geräumiger und gewölbter, das Becken etwas enger; die Hüften sind tief ausgeschweift; Hände und Füsse sind flacher und länger, die Unterschenkel oft etwas gebogen und die Kniee scheinen etwas weiter voneinander zu stehen. Zum Teil auf diese Abweichungen des Knochenbaues gegründet, zeigt auch der äussere Körper des N. seiner Form nach auffallende Verschiedenheiten. Der Übergang in den Nacken ist Hacher, nicht so ausgehöhlt wie bei den Weissen; das Haupthaar ist pechschwarz, fein gekräuselt, wollartig, hirter und elastischer (die -Haarwurzeln durchgängig weiss); die Grenze des Haarwuchses des Kopfes ist scharf, und das Haupthaar erscheint als eine aufgesetzte Perücke; die Augenbrauen scheinen etwas schwächer zu sein; die Augenspalte ist kleiner als beim Europäer,derAugapfel dagegen grösser und rings um die Hornhaut herum, etwa 1/, Linie breit, schwärzlich gefärbt; das Weisse im Auge ist weniger glänzend, sondern gelblichbräunlich ; die Falte im inneren Augenwinkel ist stärker. Die Augenwimpern sind an beiden Augenlidern gekrümmter, häufiger, dichter und ebenfalls pechschwarz. Die Farbe der Iris ist meist ungemischt dunkelbraun; die Nase ist aufgestülpt, stumpf, mehr breit wie lang, klein und ragt, mehr auf der Oberlippe aufliegend, über diese nicht hervor; die äusseren Nasenlöcher sind weit; die Lippen sind lang, gross, aufgeworfen, wulstig, dick, bläulich, schwärzlich oder auch schmutzig rosenfarben, zuweilen aber auch so schwarz, dass ihre Färbung kaum von der Gesichtsfarbe zu unterscheiden ist; die Ohren sind rundlicher und stehen mehr vom Kopfe ab; die Schläfe und Kaumuskeln sind sehr stark ausgeprägt, die übrigen Gesichtsmuskeln dagegen weniger entwickelt. Am: übrigen Körper sind die Unterschiede unerheblicher; der Nabel ragt mehr rundlich hervor, und die unteren Gliedmassen sind meist weniger gut gebildet. Doch wie bei der Farbe kommen auch in der Körperbildung zahlreiche Abweichungen von diesem, den Guineanegern entlehnten Normaltypus vor. Die schönsten Gesichtsbildungen besitzen die Jolofs, die Timanis und Bulloms bei Sierra Leone, die Biafaren am Gebameerbusen, die Aschantis, bei denen oft fast griechische Formen beobachtet werden, die Haussaner im nördlichen Binnenlande und endlich die südlicheren Kaffern; die hässlichsten dagegen, dem Affentypus schon am nächsten stehenden Gesichter haben die Papels, Bissaos und Valantes in Senegambien, die Ibus am unteren Niger und die Buschmannhottentotten. Die geistreichsten, dem europäischen Charakter am nächsten stehenden Gesichtsformen besitzen die Mandingos und Fellatah, welche zugleich auf der höchsten Stufe der intellektuellen Ausbildung stehen, wie es denn eine allgemeine Erfahrung bei den afrikanischen Völkerschaften ist, die nur eine Ausnahme bei den Jolofs erleidet, dass, je höher deren Bildungsstufe ist, sich zugleich die physische Ausbildung am höchsten erhoben hat. Gleicherweise zeigt sich eine bemerkbare Verschiedenheit der Gesichtszügesolcher Völker, welche nur aus Freien bestehen, wie die Mandingos, und denen, welche Sklaven halten. Durch ihren starken, wohlgebauten Körper zeichnen sich die meisten Glieder der Negerrasse aus, vor allem das Kruvolk auf der Küste Guinea’s und die Männer der Kaffern. Ausnahmsweise hager und klein sind die Hottentotten, und unter diesen am kleinsten die Buschmannhottentotten oder Sabs. Alle Negervölker zeichnen sich durch ungemeine Fruchtbarkeitaus, obgleich auch häufig Abortus unter den Negoriinen, teils durch Unachtsamkeit ‘auf ihren Zustand veranlasst, teils absichtlich bewirkt werden. Die. Pubertät tritt zeitig ein, daher auch zeitige Verheiratungen. Die mehrsten Negerstämme leben in Polygamie. Die Geburten erfolgen meist sehr leicht, wozu teils der kleinere Kopf des