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ErdkundeAfrika Hand-Lexikon 1885

Fan (auch M’fan, Pahuin, M’pamgwe, Oscheba, Ossyeba genannt), grosse Völkerschaft im westlichen Äquatorialafrika. Die F. bewohnen die Gebirge und das hochgelegene Landgebiet, welches die Region des Gabon im Osten und im Nordosten unmittelbar beherrscht, zwischen dem Äquator und dem 2.° nördl. Br. Obgleich Barbaren, und in mehr als einer Hinsicht Halbwilde, sind die F. doch unter den Schwarzen dieser Gegenden des Kontinents eine höchst bemerkenswerte Völkerschaft. Sie gehören nicht zu der Negerrasse, haben weder .deren Farbe, noch deren Gesichtsbildung, noch Wollhaar. „Bei meiner Ankunft im Lande der F.*, erzählt Richard Burton, welcher sie in dem Gebiet oberhalb des Gabon-Ästuars besucht hat, „erwartete ich eine schwarzhäutige Rasse mit wildem Gesichtsausdruck und stämmigen Gliedmassen zu finden. Ich war nicht wenig erstaunt, wohlgebaute Leute mit einer verhältnismässig hellen Hautfarbe, mit durchaus ansprechender Physiognomie zu erblicken. Die Gesichtszüge sind durchaus nicht die der Negerrasse; viele unter ihnen könnten, wenn sie ganz weiss wären, als Europäer gelten.“ Die F. leben von der Jagd und treiben auch etwas Ackerbau. Sie gelten als Anthropophathen und sind bei ihren Nachbarvölkern als Krieger sehr gefürchtet; auch sind sie in stetem Vordringen nach den Küsten des Gabon-Gebietes begriffen. Zu Anfang des Jahrhunderts waren sie den Negern des Küstenlandes kaum mehr als dem Namen nach bekannt; heute umgeben sie die französischen Besitzungen am Gabon bereits (nach Fleuriot de Langles’ Schätzung 1867—6d) in einer Stärke von 60000 Köpfen, die sich aber seit dieser Zeit bereits um mehr als das Dreifache vermehrt hat. Einer ihrer Stämme, die Ossyeba, hat sich am Ufer des Ogowe, zwischen den Okanda und den Aduma, festgesetzt. Die F. teilen sich in zwei grosse Körperschaften: Die M’fan Mbatschi oder „eigentlichen Fan“ und die M’fan Make, welche sich mit einem andern Volk, den Schiibi am Ogowe, vermischt haben sollen. Die F. und die Make sprechen sehr verschiedene Mundarten derselben Sprache, die aber bisher nur wenig bekannt sind, ausser einigen von Burton veröffentlichten Wortsammlungen. Nach jüngsten Forschungen, welche durch Lenz, Savorgnan de Brazza und Marche im Gebiete der F. angestellt wurden, bilden die F. eine den übrigen Völkerschaften des westlichen Äquatorialafrika fremde Völkerschaft; sie sind von Nordosten in ihre jetzigen Gebiete vorgedrungen und scheinen mit den Mombuttus vom Uölle in Verwandtschaft zu stehen. Di2 Make kamen 1857 vom Ivindo, dem nördlichen Zufluss des Ogowe, an die Ufer dieses letztern; sie überschritten denselben bald, in stetem Vordringen zum Ozean begriffen, und 1369 waren sie schon Herren des westlichen Ufergebiets; 1878 kamen sie am Rhembo& an, der südlich vom Ogowe fliesst. Die Mbatschi haben die nördlicheren Gebiete überflutet, und ihre Dörfer besetzen bereits die Gebiete dicht am Gabon-Ästuarium, in einer Länge von etwa 250 km. Der Name „Fan“ bedeutet „Mensch* und ist, nach Burton, der welchen das Volk sich selbst giebt (Pänue, Fanu& oder Fan); die M’pongwe-Neger des Gabon-Gebietes machten hieraus: M’pangwe; die Europäer nannten sie vielfach: Pahuin (Pahwin). In neuerer Zeit hat man versucht, das Wort „Fan“ mit dem die Dahome-Sprache bezeichnenden Worte „flön“ (fuin) in Beziehung zu setzen. Ausführlich über die F. berichteten Braouezec („Notes sur les peuplades du Gabon*, 1861); Burton, A day amongst the Fans (1805).

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 1, S. 403Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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