Hottentotten (Koi” Khol, Khoin), Völkerschaft im südlichen Afrika; zwischen dem Sambesi-Becken und der Südspitze des Erdteils. Sie reicht im Westen und im Süden bis zum Ozean; im Osten ist sie teilweise auf die Gebirge beschränkt, welche dort eine schmale Zone zwischen sicb und dem Meere lassen; im Norden verlieren sich die unbestimmten Grenzen ihrer Verbreitung in den den Wendekreis des Steinbockes schneidenden Einöden; im ganzen also über ein Gebiet von 10—12 Graden von Süd nach Nord, von D-—-6 Graden von Ost nach West. Die H. stossen im Nordwesten auf die Neger des südlichen Kongobeckens, im Nordosten und Osten auf die Bantu- oder Kaffernvölker. Die H. sind weder Nigritier noch Neger, sondern bilden eine von diesen verschiedene selbständige Rasse, die höchst wahrscheinlich durch Kreuzung in verschiedenen Graden zwischen Negern und der heute ‘durch die Buschmänner (s. d.) vertretenen inferioren Zwergrasse hervorgegangen ist. Der Hottentott hat das Wollhaar und die l’lattnase des Negers; die Haut aber ist nicht schwarz, sondern hat eine gelbliche schmierige Farbe; das Gesicht erinnert an den Als die Holländer gegen Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Niederlassung am Vorgebirge der guten Hoffnung begründeten, fanden sie nicht alleii in der Umgebung desselben, sonder: im ganzen-südlichen Afrika ein Volk das „überaus hässlich, wenn aucl von kräftigem Bau, sich mit Tier fellen notdürftig kleidete, vom Er. trag seiner Herden und der Jagd lebte in schmutzigen Hütten wohnte, trot; ihres schmutzigen rohen Aussehen; aber gastfreundlich und friedfertigen Charakters war.“ Das sind die Hottentotten. Der Name H, selbst, — dessen eigentlichen Ursprung man nicht kennt, der ihnen aber zuerst von unwissenden Matrosen gegeben wurde und dem Anschein nach aus einer Verstümmelung des Namens, welchen sich die H. selbst beilegen, Khoinkhoin, entstanden ist — hat sich im Brauch erhalten, gehört ihnen aber nicht an. Im allgemeinen kennt und braucht, wie bei allen unzivilisierten Völkerschaften, Jeder H.-Stamm nur seinen eigenen Namen (T’kukhnub, Qena, Qeuna, Kuekhuena, Quaigua, Gaikwa etc.). Die alten Reisenden berichten überhaupt von einer ziemlich grossen Anzahl von hottentottischen Stämmen; indessen sind die im eigentlichen Kaplande verbreiteten H. niemals zahlreich gewesen; ihre Lebensweise ist überhaupt einer starken Vermehrung nicht zuträglich. Immerhin aber muss die Ziffer der eingeborenen Bevölkerung vor der europäischen Besiedelung bedeutend stärker gewesen sein als die Jetzt im Kaplande gezählten 20000 Individuen des H.-Volkes. Hierzu kommt, dass diese H. nur noch eine Bastardrasse Sind, die aus verschiedenen Mischungen entstammen. Alle alten Stämme sind ausgestorben, und ihre Überreste wurden, nachdem sie eine lange Zeit des Sklaventums überstanden hatten, aus welchem sie erst 1828 gesetzmässige Befreiung fanden, 1829 in einer gewissen Anzahl von Ortschaften („locations “ genannt) im Osten nach ; der Kaffern-Grenze zu angesiedelt; im n Westen des Kaplandes findet man n sie nur in spärlichen Familien als Diener oder Tagearbeiter untergeh bracht. 2 Man hat den reinen H.-Typus also nicht mehr in ihrer ehemaligen Heimat, im Kaplande, zu suchen, sondern z nur noch im Norden, in der untern s Hälfte des Oranjefluss-Beckens und darüber hinaus in der sich bis zum Kongo hinaufziehenden Küstenzone. : Hier haben die Einflüsse, welche dies Urvolk im Süden bedrängten, sich bislang nur wenig oder gar nicht geltend gemacht. — Die Forschungen, welche zeitgenössische Reisende, vornehmlich Missionäre angestellt haben, führen zu dem Schlusse, dass die Familie, welcher man die hottentottische Qualifikation zuerkennt, zur Zeit aus den folgenden vier Hauptstämmen besteht: 1) den eigentlichen