FeedKaffern
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Kaffern, ein vom arab. Käfir, welches einen Ungläubigen bedeutet, herstammender Name, der vorzugsweise zwei heidnischen Völkern von den Mohammedanern beigelegt wurde, von denen er auch bei den Christen in Gebrauch kam. Es sind dies die K. oder Kafirs (s. d.) in Mittelasien und die vorzugsweise sogenannten K. in Südafrika. Die letztern bewohnen auf der Ostseite Afrikas das Land von den Grenzen des Kaplandes bis an die Delagoabai. Sie bilden einen eigenen Typus unter mißt, sind unter C aufzusuchen. den afrik. Völkern. Sie sind von ausgezeichneter Größe und Stärke und von besonderm Cbenmaß der Glieder. Die Hautfarbe ist bei den südlichsten Völkerschaften, den Ma-kosa oder Maxosa (unter x ist der laterale Schnalzlaut zu verstehen), licht und rein braun; nordwärts wird sie allmählich dunkler und zuletzt, an der Delagoabai, dunkelschwarz. Sie haben schwarzes, wolliges Haar; ihre Gesichtszüge sind eigentümlich, die Schädel dolichocephal. Mit den Europäern haben sie die hohe Stirn und den erhabenen Nasenrücken, mit den Hottentotten die hervorragenden Backenknochen, mit den Negern die aufgeworfenen Lippen gemein; ihr Bart ist schwach. Die K. haben eine überaus wohlklingende und volltönende, reiche, biegsame und bestimmte Sprache, die bei den südl., in der Nähe der Hottentotten wohnenden Stämmen noch die der Hottentottensprache eigentümlichen Schnalzlaute besitzt. (S. Bantuvölker.) In Bezug auf ihre religiösen Anschauungen glauben sie an ein höchstes Wesen, halten aber viel von ihren Zauberern, Zauberbeschwörern und Regenmachern, deren Gunst sie sich durch gute Bezahlung zu erhalten suchen. Die seit etwa 50 Jahren unter ihnen begonnenen Bestrebungen evang. Missionare haben im allgemeinen sehr wenig Erfolg gehabt. Schon weil das Christentum die Polygamie verbietet, kann es bei dem K. keinen Eingang finden, da die Zahl seiner Frauen, als Arbeiter, seinen Wohlstand bedingt. Die K. zerfallen in zwei Völkerschaften: 1). Die Ama-kosa bewohnen den Küstenstrich zwischen dem Großen Kei⸗ und dem Umzimkuluflusse. Ihre Zahl wird auf 200000 geschätzt. Zu ihnen gehören die Amatembu auf den Hochebenen, die sich aus der Kapkolonie längs dem Quathlambagebirge und dem Großen Kei hinziehen und im ganzen gemäßigtes Klima haben, und die Ama⸗-mponda vom Baschi bis zum Umzimkuluflusse. 2) Die Zulu (pr. Sulu) oder Ama-zulu (ungefähr 500000 Seelen), ursprünglich ein kleiner Stamm, zwischen dem Pongolu und dem Umtukelaflusse ansässig, gewannen erst im Laufe des 19. Jahrh. eine polit. Bedeutung und herrschen jetzt bis zur Delagoabai und tief landeinwärts. Ihr Mut, ihre Ausdauer, Schlauheit, Gewandtheit und herkulische Stärke hat sie, verbunden mit ihrer geschlossenen Fechtart, unter zweien ihrer Oberhäupter, dem durch seine furchtbare Grausamkeit verrufenen Brüderpaare Tschakka und Dingaan, zu dem mächtigsten und gefürchtetsten Volke im füdl. Afrika gemacht. Um 1835 wandte sich ein großer Haufe der Zulu nach dem innern Hochlande bis zum Quellbezirk des Oranjestroms und gründete hier unter dem Oberhaupte Moschesch ein zweites Zulureich. In neuerer Zeit hat sich aber die Ausdehnung der Zuluherrschaft im eigentlichen Kaffernlande durch die europ. Einwanderungen und die Ankunft der auswandernden Boers vom Kap im Lande Natal, infolge deren die brit. Regierung den Teil des Zululandes, der zwischen dem Umtukela im Norden und dem Umzimkulu im Süden liegt, in Anspruch nahm, sowie durch die Gründung der Oranjefluß⸗ und der Transvaalschen Republik bedeutend vermindert. Jedes dieser Kaffernvölker zerfällt wieder in eine Anzahl kleiner Stämme, die von besondern Häuptlingen geleitet werden. Alle Stämme einer Völkerschaft erkennen außerdem ein gemeinschaftliches erbliches Oberhaupt als Führer an. Jeder Häuptling regiert bei den südl. K. über Lenen Siomn oder Clan unumschränkt, gibt Gesetze, spricht Recht und entscheidet über Leben und Tod, sowie auch jeder Clan für sich so selbständig tdasteht, daß er ohne Befragen des gemeinsamen Oberhaupts mit den Nachbarn Krieg führen und Frieden schließen kann. Nur bei Berufungen an das Oberhaupt schreitet dieses ein. Die K. sind Halbnomaden, denn * verändern nur gezwungen ihre Wohnplätze und leben hauptsächlich von Milch und Durrah oder Kaffernhirse. Bei den meisten „K. ruht die Last des Garten⸗ und Feldbaues auf den Weibern, während sich der Mann nur um die Herde bekümmert und Jagd betreibt. Die technische Ge⸗ „schicklichkeit der K. steht auf niedriger Stufe; ihre „Wohnungen ähneln denen der Hottentotten. Die ehemalige brit. Kolonie Britisch-Kaffsraria umfaßte das Land zwischen den Flüssen Keiskama und Großer Kei, wurde aber 1866 der Kapkolonie einverleibt und bildet daselbst die Divisionen King-Williamstown und Cast London. [Die K. lebten stets mit der Kapkolonie in Feindschaft, und noch gegenwärtig wird der Besitz des brit. Kaffernlandes, südlich vom Keiflusse bis zum Keiskama nur durch die am Buffaloflusse gelegene Militärstation Williamstown und acht Forts aufrecht erhalten. Lord Macartney hatte 1798 den Fischfluß als Grenze gegen das Kaffernland bestimmt, doch gelang es erst 1812, diese Grenze zu behaupten. Im J. 1817 brach ein allgemeiner Aufstand unter den K. aus, welcher erst 1830 durch Friedensschluß, in dem der Keiskama als Grenze des Kaplandes anerkannt wurde, sein Ende fand. Wegen angeblich von den Boers begangener Grenzverletzungen kam es abermals zum Kriege, in welchem die K. Bathurst zerstörten und bis in die Nähe der Kapstadt vordrangen, aber von Oberstlieutenant Smith geschlagen wurden; im Friedensschluß wurde der Keifluß als Südgrenze des

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 5Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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