Nguruman (von den Wakuafi „Bagassi“ genannt), Landstrich, welcher an einem in südwestlicher Richtung durch das Massai-Land ziehenden Gebirgszuge gelegen ist; eine beckenartige Ebene, die sich von Südwest nach Nordost erstreckt und bei einer länglich ovalen Form eine Breite von 5, eine Länge von ca. 20 engl. Meilen hat. Dr. Fischer („Massai - Land“) giebt von ihm die folgende Beschreibung: Das westliche und östliche Ufer, wenn man so sagen darf, bilden fast gerade abgeschnittene Felsen bis 80 m Höhe. Der Boden zeigte einen graugelben Lehm, die tieferen Stellen waren mit einem dichten Schilfgrase bewachsen. Der allmählich ansteigende Geleiberg ist mit zahlreichen kleinen kegelförmigen Hügeln besonders in der Nähe des Fusses besetzt. Der Fuss war teilweise zerrissen, teilweise mit eigentümlichen Aufsätzen versehen und auf eine Strecke weit war das durchschrittene Land in der Nähe des Beckens mit Feuersteinen übersäet. Das Regenwasser hatte die das Becken begrenzenden Felswände an einigen Stellen durchbrochen und Schluchten gebildet, in denen sich Tümpel fanden, die das Trinkwasser lieferten. Wir befanden uns hier in dem Distrikt Döglan, wo zu der Zeit nur wenig Massai vorhanden waren, da sie der Trockenheit wegen das Gebiet verlassen hatten. Nachdem das im Westen angrenzende, wieder bis auf 740 m ansteigende Terrain durchschritten war, gelangte man in die wieder bis zu 620 m abfallende Salzsteppe, in welcher das kleine ‚waso nJiro‘“ (grauer Fluss) genannte Flüsschen fliesst, das sein Wasser in den unweit südwestlich von Ngurumän beginnenden Salz-See ergiesst. Der Boden der Steppe war vollkommen ausgedörrt, zum Teil mit einer dünnen Salzkruste, die wie ein weısser Reif sich ausnahm, überzogen; der bei starkem Regen morastige Lehmboden hob sich in Blättern ab und knatterte unter den Füssen des Wanderers, wie wenn er über hartgefrorene Erde schritte. Die Ebene ist fast vegetationslos, nur ein spärliches Gras wächst auf inselartigen höher gelegenen Stellen, die bei dem wegspülenden Regenwasser stehen geblieben sind. Durch diese Ebene zieht ein vielleicht 100 engl. Meilen östlich vom Victoria-Nyanza unter 1° südl. Br. beginnender Gebirgszug, im allgemeinen von Nord nach Süd laufend, teilweise mit Parallelzügen, welcher sich bis zu 3000 Fuss meist unvermittelt aus der Ebene erhebt und sich mindestens bis 4° südl. Br. hinerstreckt, nach Aussage der Händler bis nach Umbugwe reichen soll. Der sogenannte Sambu- "Berg ist eine hervorragende Spitze in diesem Zuge, unweit Ngurumän. Hier in dem Ngurumän(Nguruma heisst bei den Massai das Negerkorn), von den Wakuafi Bagassi genannten Landstrich, zu welchem wir nach 15 Märscheun vom Tschaggaland aus gelangten, wurde eine Ttägige Rast gehalten, um den nun schon mehrere Tage nur von Fleisch ernährten Trägern wieder vegetabilische Nahrung zukommenzu lassen. Dieses engbegrenzte, am Fusse des Gebirgszuges gelegene Gebiet wird von ackerbautreibenden Wakuafi bewohnt, welche, fast ausschliesslich Negerkorn, weniger Bohnen anbauen. Ein kleiner, das ganze Jahr gutes Wasser führender Felsbach, der vom Sambu-Berge kommt, ermöglicht den Eingeborenen diese Kultur, welche durch zahlreiche Gräben ihren Feldern das nötige Nass zuführen. Infolge der grösseren Feuchtigkeit ist denn auch hier der Fuss des Gebirges mit einer hübschen Akazienwaldung geschmückt, an die sich. dichtes Buschwerk und Gras anschliesst, in dem Rhinoceros und Elefanten nicht selten sind, welche letztere besonders in den Kornfeldern grossen Schaden anrichten. Die Wakuafi von Ngurumän sind ein friedfertiges Völkchen wie ihre Brüder von Klein-Aruscha. Lange, magere Gestal- ‘ten, kleiden sie sich ganz so wie die Massai; Rinder besitzen sie wenige, meist nur Ziegen. Die Massai geberden sich wie ihre Herren und veranlassen auch die jungen Leute, sich ihren Raubzügen anzuschliessen.