Nigir (vom arabischen negerieu, s. v. w. „fliessendes Wasser“), die richtige Namensform für den unter der Benennung Niger (die vielfach mit dem lateinischen niger[„schwarz‘| in Einklang gebracht worden ist), bekannten grossen Strom Afrikas. Die Form „Niger“ ist die bei den Buropäern gebräuchlichste. Nur teilweise in seinem Laufe bekannt, hat der N. bis auf die Gegenwart ein geographisches Problem gebildet, dessen völlige Lösung erst den neueren und neuesten Reisenden in den zentralen Teilen Nordafrikas geglückt ist. Der zwei Quellflüssen, von denen der eine Tembi heisst und nach der 1822 von Lainggemachten Entdeckung am Berge Loma, nach J. Zweifel, dem eigent- ‚lichen Entdecker der Nigerquellen, beim Dorfe Tembi-Kunde (8!/,°.n. Br., 11!/,° östl. L.) entsteht, während der andere den Namen Falico führt und von dem Tantafarraberg unweit der Tembiquelle herabströmt, weiter nördlich den Tamincono aufnimmt und in etwas westlicher Richtung dem Tembi ziemlich parallel läuft. Unter dem Namen Dscholiba (Joliba) durchströmt dann der vereinigte Fluss in nördlicher ‘Richtung das Bergland der Mandingo und das Reich Bambara, die Städte Couronassa, Kaniaba, Bammaku, Jamina, Sego und Sansanding berührend, verstärkt sich durch zahlreicheGebiresströme, namentlich durch den Jendan, Milo, Lin, Surano, Ba-Nimma (rechts) und den Tankisso, Gosen und Zair links, und wächst zu einem bedeutendem Strome an, der schon von Marabu an selbst für grössere Fahrzeugeschiffbarist. Unterhalb Sansanding tritt sodann der Strom in das Fellatahreich Massina ein, teilt sich in mehre Arme, welche die grosse Insel Massina umschliessen, und nimmt nach seiner Wiedervereinigung bei Issaka den Namen Issa an. Bald teilt sich der Strom von neuem in viele Arme, zahlreiche Inseln bildend, durchströmt oder bildet den grossen Debu-See (Dibbie)und umschliesstvon Jowaru an mit seinen beiden Hauptarmen (dem Majo ranneo, d.h. Weisser Fluss, im Norden, und dem Majo balleo, d. h. Schwarzer Fluss, im Süden) die grosse Insel Djimbala, nimmt rechts den Fluss von Saraijamo auf, wobei er die Insel Kora bildet, durchströmt sodann, in einer grossen Biegung sich nach Osten wendend, von Timbuktu an den südlichsten Teil der Sahara und führt auf dieser Strecke auch den Namen Eschirren. .Sodann Donrai und wendet sich fast unter dem Meridian von Greenwich nach Südsüdost, nimmt rechts die Flüsse Goredjende, Kassanni und Schirbe auf und tritt bei Birni in das Fellatahreich Gando ein, nun Kuara (Kowaraoder Quorra) genannt. Ausser andern Flüssen gehen ihm hier rechts der Oly und Mussa, links der Fluss von Sokoto, der von Jauri, der Majarray, Kaduna, Romfi, Lafun und endlich der Binue (auch fälschlich Tschadda genannt; siehe Binu&), sein bedeutendster Nebenfluss zu, worauf er eine rein südliche Richtung annimmt und in vielen Armen, vielleicht das grösste Delta der Erde bildend, in den Meerbusen von Guinea mündet. Vom Debu-See an hat der Fluss meist flache Ufer, welche er zur Regenzeit weithinüberschwemmt. Zwischen Timbuktu und Jauri (11° nördl. Br.) aber bildet er mehrere Stromschnellen und kleine Wasserfälle, durchbricht südlich von Jauri mit grossem Ungestüm eine grosse Gebirgskette und ist daher auf diesem Teile seines Laufes nicht schiffbar. Nachdem der Strom auch zwischen Bussa und Rabba noch mehrere Stromschnellen gebildet hat, tritt sein Bett wieder in flaches Land ein, wird breit, umschliesst viele Inseln und durchbrieht sodann unterhalb des Binue in einer engen Thalschlucht den Kong (Gebirge). Von den 23 Mündungsarmen, die sich schon mehr als 30 Meilen von der Mündung entfernt abzweigen, sind die hauptsächlichsten: die Formosa oder Benin-, Esceravos-, Forgados- oder Wari-, Ramos-, Dodo-, Penningston-, Middleton-, Nunmündung (die letztere die zur Schiffahrt benutzte), ferner’ die Bento- oder Brass-, S. Nicolas-, Sta. Barbara-, S. Bartolommeo-, Sombrero-, Neu-Kalabar-, Bonny- und Anthonymündung. DasDeltamageinen Flächengehalt von etwa 1500 QM. haben, die Stromlänge berechnet man auf 650 Meilen, das Stromgebiet auf 34000 QM. Die Schiffbarkeit des N,, im mittleren Teile durch die erwähnten Stromschnellen gehemmt, gewinnt dadurch an Bedeutung, dassder Nebenfluss Binue weit hinauf leichtfahrbar ist undso eine und zwar die einzige Fahrstrasse nach dem zentralen Teile Nordafrika’s gewährt. DieExplorationen des Nigerlaufeshattensichschonfastalleim Innern Afrikas Reisende zur Aufgabe gestellt; so Mungo Park, Hornemann, Oudney, Clapperton, Denham, Laing, CGaille, dann die Gebrüder Lander, welche 1830 den Strom in Booten hinauf fuhren, bis an die Stromschnellen von Jauri und dann abwärts bis zum Meere, wodurch die Sage, der N, verschwinde im Innern in einem See,. widerlegt wurde; eine abermalige Nigerexpedition unter Lander 1833 gelangte mit ihren Dampfern bis Rabba, und Beckroft kam 1840 mit einem Dampfer bis nahe an Bussa. Doch alle diese und auch die in den nächsten beiden Jahren unternommenen Expeditionen trugen zur Aufklärung über die Nutzbarkeit des N. zur Schiffahrt nicht so viel bei, als Barthıs 1851 gemachte Entdeckung des Binue, welche die Anregung zu der von Baikie 1854 ausgeführten Befahrung und Untersuchung des Binue gab. Baikie fuhr eine Strecke von mehr als 1100 km mit seinem Dampfer „Plejade* den Nunarm und dann den Binue hinauf, und es wurde nicht nur der Lauf des Flusses, dessen Tiefe ete. erkundet und bestimmt, sondern auch, obgleich er vom tieferen Eindringen infolge äusserer Umstände Abstand nehmen musste, die Gewissheit erlangt, dass in Zukunft ein sehr gewinnbringender Handel (namentlich mit Palmöl) mit den meist freundlichen Einwohnern der angrenzenden produktenreichen Landschaften eröffnet werden kann. 1857 wiederholte Baikie die Fahrt: mit May, Glover, Barter u. a. auf dem Dampfer „Dayspring“, verfolgte jetzt den Niger bis Rabba, wo das Schiff scheiterte; während des dadurch notwendig gewordenen längern Aufenthaltes verfolgte Glover den Niger bis Bussa, während Baikie 1859—61l von Lukodja (am Zusammenflusse von Niger und Binue) aus nach Kano (Innerafrika) reiste. 1867 verfolgte Gerhard Rohlfs auf seiner Reise quer durch Afrika den Binue und einen Teil des Niger von der Konfluenz aus aufwärts; Bischof Crowther (1871), der Franzose Semell& (+ dort 1880), Aime, Olivier, Dr. Bayol, Gallieni, Moustier, die Engländer Ashcroft, Dumbleton u. Browning,der Schweizer Zweifel, der Belgier Burdo, vorzugsweise auch der Deutsche Robert Flegel haben die Erforschung des Nigers wesentlich gefördert. Fast alljährlich wird der Strom von Kaufleuten, Missionären, Regierungsbeamten befahren, und der Verkehr hat von Jahr zu Jahr zugenommen, seitdem sich herausgestellt hat, dass die Ufergegenden einen reichen Ertrag an Palmöl (dem hauptsächlichsten Ausfuhrartikel) abwerfen. Die Flotte, welche den Niger und untern Teil des Benu& unausgesetzt befährt, zählte (nach Flegel) 1883 bereits 23 grössere Schiffe, meistens Dampfer, und ausserdem eine Reihe flacher Schuten, welche sich bei der in der trocknen Zeit geringen Tiefe vorzüglich zum Wassertransport eignen. Im Altertum nahm man an, dass der Niger oder Nigir im Südosten Afrika’s, aus dem Gebirge Thala entsprang, dann ‚sich westlich wandte und seinen 400 geographische Meilen langen Lauf endiste, indem der östliche Arm durch unbekannte Gegenden, der westliche durch sehr volkreiche Länder floss, mit Bildungen des Sees Nigritis, am östlichen Fusse des Mandrus, jetzt wahrscheinlich der See Dibbeh oder Schwarze See. Wie überhaupt die Alten von dem Innern Afrika’s eiue sehr unvollkommene Kenntnis. hatten, so sind auch ihre Ansichten vom N. ganz unzuverlässig; nach Ptolemäos ergossen sich vier grosse Flüsse in den N.; rechts zwei von Norden und ein aus Osten kommender. An ihm sass die nördlichste äthiopische Nation der Nigritae, im heutigen Sudan, mit der Hauptstadt Nigira.