FeedGleyre (Charles)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gleyre (Charles), franz. Historienmaler, geb. 2. Mai 1806 zu Chevilly im Kanton Wallis, hatte, 18 J. alt, Gelegenheit in Italien sorgfältige Studien nach den großen Meistern des Mittelalters und der Renaissance zu machen; ferner bot sich ihm auf einer Reise durch die europ. Türkei, Vorderasien und Afrika, besonders in Agypten und Abessinien, ein weites Feld der Beobachtung dar. Er malte Volksfiguren, Kostüme und Landschaften aus diesen Gegenden, zog 1833 nach Paris und errang 1840 mit seinem heil, 77— auf der Insel Patmos und der allegorischen Komposition: der Abend, große Erfolge. Seine weitern Bilder behandeln meist mytholog., auch histor. Stoffe, wie die Niederlage der Römer durch die Helvetier am Lacus Lemanus (für das Museum von Lausanne, 1858), die Bacchantinnen (1849), König Pentheus und die Mänaden für das baseler Museum; zuweilen bewegte er sich auch mit vielem Glück auf religiösem Gebiete, so in dem Abschied der Apostel (1845). Auf der wiener Weltausstellung stellte er 1873 das liebliche Bild la Charmeuse aus. Er starb 5. Mai 1874 in Paris. G. beherrscht die Form mit großer Grazie und Virtuosität des Vortrags, ist frei in der Jachnung und idealistisch in der Auffassung. Gewaltige Stoffe gelingen ihm weniger als solche von zarter, poetischer Empfindung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 106Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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