Otyimbingue 1) Niederlassung der Hererö; 2) Missionskolonie bei dieser, welche 1564 durch Missionär Hahn gegründet wurde. In dieser Kolonie sollten neben dem Missionär auch‘ Handwerker, wie Schmiede, Wagenmacher u. S. w. arbeiten. Missionär Hahn erwarb zunächst ein Gebäude an der Walfisch-Bai, bald darauf aber grosse Gebäude in Otyimbingue, die von einer bankerotten Kupferminengesellschaft errichtet worden, jetzt aber dem bekannten Reisenden Andersson gehörten. Dies war das erste Stück Land in Afrika, welches in allen Formen Rechtes in den Besitz von Deutschen überging, und die preussische, resp. deutsche Flagge ist seitdem bei jeder Gelegenheit in Otyimbingue aufgezogen und der Geburtstag des deutschen Kaisers regelmässig von der Schuljugend gefeiert worden. In Otyimbingue wurJe eine Schmiede, Wagenmacherei, @ewehrmacherei und Ökonomie eingerichtet, junge Eingeborene fanden sich bald bereit, als Lehrlinge einzutreten, und schliesslich wurde auch eine höhere Schule für eingeborene Knaben, das „Augustinum-Seminar* eingerichtet. Die älteren Leute wandten sich zwar nur selten der christlichen Lehre zu, aber sie sahen es nicht ungern, wenn- ihre Kinder die Schule und den Gottesdienst besuchten und sich zur Aufnahme in die christliche Gemeinde meldeten. Nachdem es den Missionären gelungen war, den Frieden zwischen den sich befehdenden Hererö und Hottentotten herzustellen, wuchs ihr Ansehen. „Die Eingeborenen,* schreibt der frühere Missionär Büttner, „fingen an, sich immer mehr europäisch zu tragen, auch neue Häuser nach europäischer Art zu bauen. Auf den meisten Stationen konnten eingeborene Lehrer, meist Zöglinge des Augustinum-Seminars, angestellt werden, deren Gehalt auf vielen Stationen durch Gemeindeumlagen bestritten wurde.* Im Jahre 1883 zählte die christliche Gemeinde in Otyimbingue, welcher zwei Missionäre vorstanden, 335 Angehörige. 3) Kupferminen in der Nähe der jetzigen Missionskolonie, deren Verwaltung ihren Sitz in O. hatte. Nachdem durch die herumziehenden Händler am Kap bekannt geworden, dass im Hereröland ungeheure Massen von reichhaltigem Kupfererz fast offen zu Tage lägen, bildete sich Mitte der fünfziger Jahre die Walfishbay copper mining Company zur Ausbeutung der Minen. Die Gesellschaft ging, ohne lange zu rekognoszieren, sofort ans Weık und richtete alles auf grossartigem Fusse ein. „In der Walfisch- Bai wohnte nun ein ständiger Agent. Es wurden Arbeiter, Handwerker und Wagenmacher aus der Kapkolonie eingeführt, Bergleute aus England. Man baute an den Kupferminen, auf Otyimbingue und sonst für die Zwecke der Minengesellschaft so grossartige Gebäude, wie sie in Damaraland noch nicht gesehen worden waren. Kurz, es wurde ein sehr grossartiger Apparat, ohne die Kosten zu scheuen, eingerichtet, während von dem Kupfererz selbst, welches doch das ganze Geschäft bezahlen sollte, wenig genug gefördert wurde.“ Die Herrlichkeit der Bauunternehmer fand ein plötzliches Ende. Die Lungenseuche des Rindviehs war aus Transvaal eingeschleppt worden, und da die Eingeborenen ihre verheerenden Wirkungen nicht kannten, die Europäer aber ihr keine Beobachtung schenkten, weil sie den Viehreichtum des Landes für unerschöpflich hielten, gewann sie eine riesige Verbreitung und machte sich den Bergbauunternehmern bald in unangenehner Weise bemerkbar. Scharenweise wurde ihr Zugviehimmer wieder hinweggerafit, es fehlte bald an Ochsen zur Bespannung der Lastwagen, die Erztransporıte aus den Minen zur Küste gerieten ins Stocken, und das Ende der stetig wachsenden Kalamität war der Bankerott der Minengesellschaft, deren Gebäude der Schwede Andersson kaufte, von dem sie später die Missionäre erwarben. Seitllem ruhte der Bergbau im Hereröland, doch steht ihm ein neues Aufblühen bevor, da Maharero, der oberste Häuptling der Hererö, am 21. Oktober 1885 sein Land und sein Volk unter deutschen Schutz gestellt und deutsche Kapitalisten das Recht zur Betreibung von Bergbau im Hereröland erworben haben.