FeedRadama
GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Radama, Name zweier Könige von Madagaskar. 1) Radama I. Derselbe erbte nach seinem Vater Dianampuine, der 1810 starb, ein Reich, das nicht nur die Hochebene von Ankova, sondern auch einen grossen Teil der Provinzen Antsianaka, Ankaya u. Betsileo umfasste. Radama gehört zu den wenigen halbbarbarischen Königen, die als Eroberer zugleich ihr Augenmerk darauf richteten, ihr Volk in der Gesittung vorwärts zu bringen. Als Ratgeber stand ihm der englische Sergeant James Hastin zur Seite, ein sehr gewandter und vielerfahrener Mann, der eine grosse Rolle auf Madagaskar gespielt hat. Enzland erkannte Radama, nachdem er in siegreichen Kämpfen mit den Betaminea bis zur Meeresküste vorgedrungen war, als „König von Madagaskar“ an und erlangte von ihm 1817 einen Vertrag, in dem er sich verpflichtete, in seinem Lande die Sklavenausfuhr zu verbieten, wofür er als Entschädigung einen teils in Geld, teils in Waren bestehenden Jährgehalt erhielt. Auf englische Kosten wurden junge Malagassen teils in England, teils in Mauritius in verschiedenen Handwerken unterrichtet, einige auch in Zeughäusern und auf Schiffswerften herangebildet. Daran schloss sich ein Schiffahrts- und Handelsvertrag mit England, englische Missionäre liessen Sich im Lande nieder und errichteten Schulen. Der Einfluss der Engländer stieg um so höher, da sie den König aufmunterten, die ganze Insel zu unterwerfen und sich insbesondere der Häfen zu bemächtigen. Darüber wurden die Franzosen besorgt, welche ihre Pläne auf den Besitz der ganzen Insel oder doch wichtiger Küsten-Strecken vereitelt sahen, sobald Madagaskar unter der Herrschah; eines einzigen Mannes stand. Sie unterstützten daher die Häuptlinge, welche von den Hovas angegriffen wurden, und gerieten dadurch in Feindschaft mit Radama, wogegen die Engländer von diesem noch nchr begünstigt wurden. Der König gestattete ihnen, in ganz Madagaskar Handel zu tieil ben, Schiffe und Häuser zu bauen und Plantagen anzulegen. Radama hatte jedoch in den Totzien Jahren allerlei Ausschweifungen sich im Übermass ergeben und sein früher so starker und kräftiger Körper war hinfällig geworden. Er starb am 21: Jul 1828 im Alter-von 37 Jahren. Sein Ableben wurde sorgfältig verheimlicht. Noch am 29. ul Smurde eine grosse Volksversammlung abgehalten, um den Eid zu leisten, dass jener als Nachfolger Radama’s werde anerkannt werden, den er dazu bestimme, und erst am 3. August wurde bekannt gegeben, dass der Herrscher gestorben sei, dass er aber seine Recke an seine erste Gemahlin, Ranavalo (s. d.), übertragen habe. 2) Radama II. Über die Art und Weise, wie dieser Fürst zum Throne gelangte, wird Folgendes berichtet: Als die Königin Ranavälona I, im Jahre 1828 zur Regierung kam, war nur noch ein Spross aus dem Geschlechte. der alten . Hovaherrscher, ein wenige Monate alter Knabe, vorhanden, en sie zu ihrem Adoptivsohn und Nachfolger . ernannte. Als sie aber später selbst einen Sohn gebar, Raköton-Radama, dieser heranwuchs und wegen der Thronfolgebestimmung viel Eifersucht zwischen den Prinzen entstand, entschied Ranavälona den Streit auf folgende Weise: sie berief alle ihre Offiziere, Richter u. Volksoberhäupter zu einer feierlichen Versammlung in den Palast und teilte ihnen mit, dass sie die Absicht habe, jedem der Prinzen ein kostbares. Geschenk zu geben. Zwei schöne verdeckte Gefässe wurden auf den Tisch gestellt und die beiden Jünglinge dann in den Versammlungssaal gerufen. Der ältere musste zuerst sich für eins der beiden Gefässe entscheiden. Er that dies und fand, als er das gewählte öffnete, mehrere kostbare Edelsteine und wertvollen Schmuck. Der jüngere Prinz, der Königin eigener Sohn, öffnete nun sein Gefäss, das nichts enthielt alseine Handvoll Erde. Nun hielt Ranavälona eine Ansprache an die Versammlung, in der sie sagte, dass der ältere Prinz hohe Ehren und grosse Reichtümer erhalten solle, -dass aber, da das Land nicht geteilt werden könne, der jüngere, dem Gott selbst die Hand voll Erde gegeben habe, ihr Nachfolger sein werde. Derselbe wurde denn auch später unter dem Namen Radama II. König, regierte aber kaum 18 Monate. Während seiner kurzen Regierungszeit erholten sich die Bekenner des Christentums von den Verfolgungen, welche sie‘ unter der Schreckensregierung der Königin Ranavälona II. zu erdulden hatten, aber der ganze Zustand der Dinge während der kurzen Regierungszeit des jungen Königs war doch durchaus unbefriedigend. Bald nach seiner feierlichen Krönung hatte Radama einen Freundschaftsvertrag mit Frankreich geschlossen (abgedruckt in J. L. Macquarie, Voyage a Madagascar), durch welchen den Franzosen sehr grosse Begünstigungen zugestanden wurden. Die Begünstisung der Fremden und die Reformen, welche Radama in grösster Hast einzuführen suchte, erregten jedoch den Unwillen der Hovas, und schon im März 1863 kam es zu Tumulten in Tananarivo.. ‘Am 8. Mai brach endlich eine wohl vorbereitete Revolution aus, der König wurde in seinem Palast überfallen, erdrosselt und Rabodo: unter dem Namen Ktasoherina als Königin ausgerufen.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1079Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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