Sakaläva, ein Volk, das die ganze Westküste Madagaskars bewohnt und ausserdem auch über den nördlichen und südlichen Teil der Insel verbreitet ist; besteht aus vielen gesonderten Stämmen, deren jeder heute noch seinen eigenen Namen führt und bis vor ungefähr 200 Jahren auch seine eigene Regierung hatte. Seitdem ist das Volk in zwei grosse Gruppen geteilt: in die Sakalava von Menabe (im Süden) und die Sakalava von Iböina (im Norden). Die Sakalava waren mehr als 170 Jahre das mächtigste Volk auf Madagaskar. „Sie unterwarfen nicht nur die Küstenstämme, sondern auch einige der Binnenvölker: die Sihänaka, die Bezanozano und selbst die Hova, deren Macht damals kaum über ihr eigenes unmittelbares Gebiet hinausreichte, Die. Könige der Sakaläva wussten sich durch die fremden Händler in den nordwestlichen Häfen europäische Waffen zu verschaffen, und es ist auch mehr als wahrscheinlich, dass die Häuptlinge, welche die ersten Angriffe auf die anderen Stämme unternahmen, europäisches Blut in den Adern gehabt haben: ein Umstand, der von je an in Madagaskar zu Herrschaft und Ansehen verholfen hat. Ihre Regierung war vollkommen absolut, die Königswürde erblich und durch eine Klasse von Häuptlingen gestützt, die ihre Ländereien von dem Herrscher als Lehen erhielten und eine Adelskaste bildeten. Im Beginne unseres Jahrhunderts aber lagen die Zügel der Regierung in beiden Säkaläva-Ländern in den Händen von Königen, die von der Kraft und Fähigkeit der Begründer ihrer Reiche nur wenig noch besassen. Dagegen wurden die in der Mitte der Insel wohnenden Hova unter ihren Königen Andrianimpöina und dessen Sohne Radäma I. immer mächtiger; es währte nicht lange, so schüttelten, sie das Joch der Sakaläva ab, und bald hatten sie auch einen Vorwand zum. Einfall in das Gebiet derselben gefunden. Obgleich sein Heer durch Krankheit und Hunger, sowie durch mörderische Kämpfe mit den Sakalava immer neue schwere Verluste erlitt, wich Radama keinen Augenblick von seinem Vorhaben ab. Es gelang ihm, sich einiger der wichtigsten Positionen des Feindes zu bemächtigen, und :als dies gethan war, zog der Hova-König die Staatsklugheit zu Hilfe Dadurch, dass er sich mit der Tochter des Säkaläva-Königs von Menab& vermählte, veranlasste er diesen zur Anerkennung der Oberherrschaft der Hova; und da jedes der beiden westlichen Königreiche seine Nachbarn allein kämpfen liess, wurden sie auch beide einzeln besiegt; und so befand sich im Jahre 1824 schon der grösste Teil des- Westens der Insel in Radäma’s Gewalt.“