Raule, Benjamin, ein holländischer Kaufmann, der in den siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts nach Berlin kam und bedeutenden Einfluss am Hofe des Grossen Kurfürsten erlangte. Der Kurfürst bewilligte ihm und einigen anderen holländischen Kaufleuten die Ausrüstung von Kapern, welche gegen die Schweden, mit denen er Krieg führte, Verwendung finden sollten. Diese von den Hollindern ausgerüsteten Kaper wurden der Grundstock einer brandenburgischen Flotte, welche sich bald durch ihre Thaten einen geachteten Namen machte. Schweden sowohl als Spanier hatten Gelegenheit, die Kühnheit der brandenburgischen Kapitäne kennen zu lernen. Im Jahre 1681 regte Benjamin Raule den Gedanken an, von Brandenburg aus direkte Handelsverbindungen mit West-Afrika anzuknüpfen, und da es ihm gelang, den Kurfürsten für ihren Plan zu gewinnen, wurden zwei Schiffe nach Afrika gesandt, wo ihr Kommandeur, ein gewisser Blonk, mit drei Negerhäuptlingen in der Gegend zwischen Axim und dem Vorgebirge der drei Spitzen einen Vertrag schloss, durch den sie sich verpflichteten, nur mit den Brandenburgern Handel zu treiben, denselben ein Stück Land zur Anlage einer Festung zu überlassen und den Kurfürsten als Schutzherrn anzuerkennen. Dieser günstige Anfang bewog den Kurfürsten, der Gesellschaft, welche mit West-Afrika Handel treiben wollte, einen Freibrief zu erteilen, an den er nur die Bedingung knüpfte, dass sie sich stets zum mindesten eine Meile von den Niederlassungen der Holländer und anderer Mächte entfernt halten solle. Zwei Fregatten, der „Kurprinz“, Kapitän Voss, und der „Mohrian“, Kapitiin Blonk, wurden nun ausgesandt, um den mit den Negerhäuptlingen geschlossenen Vertrag zur Ausfühvung zu bringen. Mit der Führung der Expedition wurde der Kammerjunker 0. F. von Gröben betraut. Dieselbe erreichte wohlbehalten die afrikanische Küste, wo, nachdem eine Niederlassung in der Nähe des Vorgebirges der drei Spitzen beim Dorfe Akkada durch die Holländer verhindert worden, auf dem Berge Manfro bei Pokeson ein Fort erbaut wurde, das den Namen Gross-Friedrichsburg erhielt. Bald entwickelte sich zwischen dem Fort und den einzelnen Dörfern ein reger Verkehr, der nicht ohne Einfluss auf die ganze Lebensweise der Eingeborenen blieb. Von den brandenburgischen Soldaten, welche das Schwert mit der Pflugschar vertauscht hatten, um Pflanzungen anzulegen, lernten die Eingeborenen eine bessere Art des Feldbaues und allerlei Handfertigkeiten, und sie gewöhnten sich an die strenge Zucht und Ordnung, welche sie bei ihren Nachbarn sahen. Aus den faulen Negern wurden fleissige Ackerbauer, deren Wohlhabenheit den Neid der anderen Stämme erregen musste. Wie schnell die Brandenburger die Zureigung der Neger sich gewannen, erhellt daraus, dass bald eine Gesandtschaft aller befreundeten Stämme nach Europa reiste, um dem Kurfürsten, von dem sie mit grosser Feierlichkeit in Berlin empfangen wurde, eine Unterwerfungsurkunde zu überreichen. Auch mit den drei Negerhäuptlingen zwischen Axim und dem Vorgebirge der drei Spitzen, mit denen schon die erste Expedition ın Jahre 1681 in Verbindung getreten war, wurden Unterhandlungen gepflogen, welche zum Abschluss eines Bündnisses führten. So gedieh die kleine Kolonie vortrefflich, und der erfreuliche Anfang liess das Beste für die Zukunft hoffen. Leider war es vom Schicksal anders bestimmt. Je mehr die Kolonie erstarkte, desto grösser wurde der Neid, mit dem die Holländer ihre Fortschritte beobachteten, und als die holländisch-afrikanische Handelsgesellschaft sah, dass es unmöglich war, durch Intriguen und durch heimliche Hetzereien unter den Eingeborenen die lästige Nachbarschaft los zu werden, scheute sie vor offener Gewaltthat nicht zurück, in der Hoffnung, dass ihre militärische Übermacht ihr zum Ziele verhelfen werde. Die Brandenburger hatten den Negern von Akkada noch Land abgekauft, auf welchem etwa 11, Meilen von Gross-Friedrichsburg entfernt der Kriessbaumeister Schnittler die „Dorotheenschanze* anleste, und zwischen dieser und dem Fort war noch bei Taimara ein Blockhaus errichtet worden. Den Holländern gelang es nun, durch Überrumpelung sich der Dorotheenschanze und des Blockhauses zu bemächtigen . und auch die brandenburgische Fregatte „Berlin* trotz tapferen Widerstandes zu nehmen, aber ihr Angriff auf Gross-Friedrichsburg misslang. Die Besatzung des Forts verteidigte sich mit Erfolg gegen die Übermacht der Belagerer, welche endlich unverrichteter Sache abziehen mussten. Der Kurfürst reklamierte wegen dieses Friedensbruches energisch im Haag, indem er darauf hinwies, dass die Generalstaaten die brandenburgischen Erwerbungen an der afrikanischen Küste anerkannt hatten, und die holländische Gesellschaft wurde angehalten, Genugthuung und Entschädigung zu leisten. Unter allerlei Vorwänden wurde diese jedoch so lange hinausgeschoben, bis der Grosse Kurfürst starb, und nach seinem Tode war von Ansprüchen an die holländische Kompagnie nicht mehr die Rede, da sein Nachfolger Friedrich III. allen Kolonialprojekten abgeneigt war. Die afrikanische Handelsgesellschaft hatte nicht so gute Geschäfte gemacht, als ihre Gründer erwartet, und die grossen Kosten, welche die Erhaltung der Befestigungen verursachte, schreckten viele Aktionäre von fernerer Beteiligung ab. Da die Gesellschaft nahe daran war, sich aufzulösen, hatte der Grosse Kurfürst 1686 Raule’s dringenden Bitten nachgebend selbst die Führung übernommen, worauf eine kurze Zeitlang die Geschäfte besser gingen und die Gesellschaft sogar einen Überschuss von 87 000 Thalern erzielte. Nach seinem Tode erhielt die Gesellschaft zwar noch zweimal Zuschüsse von Friedrich III, aber bald trat bei Hofe ein Umschwung ein, der alle dem Unternehmen freundlichen Persönlichkeiten aus der Umgebung des Kurfürsten entfernte. Der Sturz des Ministers Dankelmann, mit welchem auch Raule in Ungnade fiel, kann als der faktische Abschluss der brantrachtet werden. Der Unterstützung von-obenher beraubt, vermochte das Unternehmen nicht mehr zu gedeihen. Vergebens verzichteten die Teilhaber der Gesellschaft auf die Hälfte ihrer Anteile, um durch neue Aktionäre neues Kapital zu erlangen — die Hofpartei, in deren Händen sich nun die oberste Leitung befand, hinderte jeden Aufschwung, da sie stets eifrig für Leerung der Kassen sorgte, und allerlei Unglücksfälle, welche die Ge- ° sellschaft trafen, namentlich Verluste von Schiffen, welche teils zu Grunde gingen, teils gekapert wurden, diskreditierten das Unternehmen so, dass auch Raule ihm nicht mehr aufzuhelfen vermochte, als er schliesslich nochmals mit der Leitung betraut wurde. Nachdem er wiederholt angeklagt worden, Jahre im Gefängnis zugebracht, starb er als gebrochener Greis, 75 Jahre alt.