
Saharahandel, während der Handelsverkehr von Algerien her trotz aller Bemühungen der französischen Regierung, die Karawanen dorthin abzulenken, höchst unbedeutend geblieben ist. Der Verkehr der Mittelmeergestade mit Zentralafrika ist, wenn man von Marokko absieht, zum weitaus grössern Teile in den Händen der Einwohner von Ghadames und ihrer Korrespondenten. Diese haben sich seit jeher als vorsichtige, kluge, gewandte und sparsame Leute bewährt, die mit den Tuaregs sehr gut auszukommen verstehen. „Der Profit des saharischen Handels ist gross und das Risiko gering.“ Duveyrier traf in Ghadames 1860 einen Kaufmann, der unserem Landsmann Heinrich Barth, als dieser von Timbuktu zurückgekommen war, in Kano Geld auf 4 Morate gegen 100 Prozent vorgestreckt hatte. Auf die Entgegnung, dass das ein sehr hoher Zinsfuss sei, äusserte er: „Ich würde dasselbe, ohne jede Gefahr vor Verlust, mit diesem Gelde verdient haben, wenn ich es zum Einkaufen von Elfenbein benutzt hätte.“ In der Sahara kennt man das Sprichwort: Wer reich werden will, muss eine Reise in den Sudan machen. Auffallend ist die Sicherheit, welche auf manchen Strecken herrscht. Kapitän Bonnemain, welcher von Algerien aus nach Ghadames geschickt wurde, schreibt am Schluss: Die meisten Karawanen, welche in Ghurd, des etwa halbwegs zwischen El Ued und Ghadames liegt, ankommen, deponieren dort unter freiem mel einen Teil ihrer Lebensmittel, deren sie auf ihrem Rückwege bedürfen; sie wissen, dass alles unangetastet bleibt. Duveyrier fand 1860 ak derselben Linie, aber an einer andern Stelle, eine Menge von Gegenständen, welche auf diese Art der „Obhut Allahs“ anvertraut worden waren; ein Gleiches berichtet Buderba, welcher 1358 auf seinem Zuge von Wargla in Algerien nach Ghat derartige "Depots in der Wüste ganz en führer lässt einem Kamel, das nicht mehr weiter gehen kann, die Last abnehmen, legt sie hin und ist überzeugt, dass er sie an Ort und Stelle wiederfinden werde, wenn auch Jahre darüber vergehen sollten. Diese Sicherheit ist allerdings nur auf solchen Strassenzügen vorhanden, wo die Nomaden einen mässigen Durchgangszoll erheben: andere Routen nd unsicher, und auf ihnen sind denn auch die Kan wanen wohl auf ihrer Hut gegen die Korsaren des Sandozeans.“ __ Der Saharahandel, der seit Jahrhunderten sich in denselben Bahnen bewegt, dürfte nun in nicht zu ferner Zeit Acch von denselben abgelenkt werden. Schon lange bemüht sich Frankreich, denselben nach seinen Besitzungen zu ziehen, und wenn es ihm auch nicht gelungen ist, ihn Algerien zuzuführen, so ande sich doch schon jetzt ein Teil des sudanesischen Warenzuges dem Senegal geworden, seitdem er keine Sklaven Ber nach dem Norden hin ausführen kann und für schwarze Menschen nur noch in Marokko einigen Absatz findet. "Fluss- und Seeweg einerseits, Wüstenweg andrerseits sind miteinander in Wettbewerb getreten, Schiff und Kamel, Matrose und Nomade.“ (S. Senegambien und Sudan.) —- Der Saharahandel ist nicht bloss Transithandel, durch den die Produkte des Sudan gegen die von der Nordküste kommenden Waren umgesetzt werden, sondern er umfasst auch die Erzeugnisse der in der Sahara zerstreut liegenden Oasen und des Gebirgslandes. Von Produktenfülle kann da allerdings nicht die Rede sein. Wo Wasser vorhanden ist, baut man die Dattel, ausserdem Feigen, Weizen, Gerste, Durra und Negerkorn. Die Akazie kommt auch im nördlichen Teil zwischen Ghadames und Ghat vor und liefert ein dem senegambischen an Güte nicht nachstehendes Gummi. Ausserdem liefern die Oasen Sennesblätter, Henna, Koloquintenkörner, Straussenfedern, Felle wilder Tiere, namentlich aber Salz, das im Karawanenverkehr mit dem Sudan eine hochwichtige Rolle spielt, da es bekanntlich im Sudan fehlt. Man +rifft es an vielen Stellen in beckenförmigen, oft sehr ausgedehnten Vertiefungen. Im Osten ist der Hauptort des Salzhandels Bilma, im Westen die nördlich von Adrar gelegene orosse Sebcha(Vertiefung von Idschil). In letzterer werden jährlich 8 Millionen Pfund Salz gewonnen, welche etwa 20000 Kamelladungen bilden. (Vincent, Voyage dans l’Adrar et retour & St. Louis.) Der Airi, die grosse Salzkarawane, mit welcher Barth reiste, bestand an der Grenze -von Kathena aus 9 Abteilungen, deren manche bis zu 200 Kamele zählten, Die Gesamtzahl der Salzkarawanen jener .Regionen im Januar 1851 schätzte Barth auf 3500 Kamellasten, den Warenwert auf etwa 60 000 spanische Thaler. „Diese Summe mag europäischen Kaufleuten gering erscheinen, aber im Völkerleben des innern Afrika ist sie bedeutend; sie breitet hier Leben und Behaglichkeit in den weitesten Kreisen aus.“
