FeedSenegalbahnen
VerkehrAfrika Hand-Lexikon 1885

Senegalbahnen. Angesichts der schwerwiegenden Bedenken, welche gegen alle Projekte von Sudanbahnen laut wurden, errang ein anderes Projekt, mit welchem 1879 der Marineinspektor Legros hervortrat, rasch den Sieg über die bisher diskutierten, da seine Ausführung mit bedeutend weniger Schwierigkeiten verknüpft u sein schien. Legros wollte die französischen Besitzungen am Senegal zum Ausgangspunkt der Sudanbahn machen. Der äusserste französische Posten am Senegal war nur 450 km vom Niger entfernt, während der ‚südlichste französische Posten in Algier, Wargla, in der Luftlinie 1800 Kilometer von demselben entfernt war, und während dort eine Bahn ein hohes Gebirge und eine unwirtliche Wüste überwinden müsste, stand hier ein auf einer grossen Strecke schiffbarer Fluss zur Verfügung und die Eingeborenen waren auch nicht so schwer zur Ruhe zu verhalten, wie die Nomaden der Sahara. Der Minister Admiral Jaureguiberry, der als Gouverneur in Senegambien gelebt hatte und die Verhältnisse in der Kolonie kannte, nahm sich des Pro-Jektes mit grossem Eifer an, und am 27. August 1379 bewilligte die Kammer einen Kredit von !/, Million Franken für die Vorarbeiten. Durch die Expedition Gallieni’s wurde die Strecke zwischen dem Zusammenfluss des Bachoy und Bafing und dem Niger erforscht, die Kette der französischen Forts tief ins Innere vorgeschoben, und noch während Gallieni in Segu weilte, ging die Regierung energisch ans Werk, seine Errungenschaften auszunützen. Am2,. Au 8.1880 bewilligten die Kammern 1300000 Franken zur Anlage neuer Forts am Senegal, deren Bau mit fieberhafter Hast betrieben wurde, trotzdem das Klima viele Opfer forderte. Nachdem nach Zerstörung des festen Gubanko an dessen Stelle ein Fort errichtet worden und die unter der Führung des Hauptmanns Derrien stehende topographische Abteilung der Expedition eine für den Eisenbahnbau vorzüglich geeignete Strecke zwischen Bafulab6 und Kita entdeckt hatte, wurde von chinesischen Kulis und Arbeitern aus Marokko der Bau der Bahn zwischen Bafulabs und Kayes begonnen. Der Tod hielt reiche Ernte unter den Arbeitern, welche von Saint-Louis das gelbe Fieber mitgebracht hatten, und auch die den Bau leitenden Europäer wurden durch dasselbe teils hinweggeraftt, teils zur Rückkehr nach Europa gezwungen, und die Arbeiten schritten lange Zeit sehr langsam vorwärts, während die Kosten des Baues infolge der weiten Entfernung von Saint-Louis (1000 Kilometer) eine bedeutende Höhe erreichten. Vor dem Ende des Jahres 1882 wurde trotzdem das grosse Werk, an welchem 80 Franzosen und etwa 1000 ‘Arbeiter aus Marokko mitwirkten, durch den Ingenieur Jacquier glücklich vollendet. Lebhaft angestaunt von den von nah und fern herbeigeströmten Eingeborenen verliess am 19. Dezember 1882 der erste Eisenbahnzug die Ausgangsstation Kayes und fuhr nach dem 20 km entfernten Bafulab6. — Im Jahre 1854 ist noch eine zweite Bahn, von Saint-Louis nach Dakar, eröffnet worden.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1173Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Verkehr 6