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GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Santa Lucia-Bai, an der Südost F küste Afrikas, Sululand. Die lange unbeachtet gebliebene Bai ist in jüngster Zeit in den Vordergrund getreten durch die Landerwerbungen des Herın Lüderitz. Ein Herr Einwald hatte für denselben an der Küste der Bai Land erworben, und Herr Lüderitz suchte dafür in derselben Weise den Schutz des Deutschen Reiches wie für seine älteren Besitzungen an der Südwestküste, aber diesmal wurde der Schutz dem kühnen Bahnbrecher deutscher Kolonisation nicht zu teil, denn England hatte Einsprache gegen das deutsche Protektorat er und berief sich auf ältere Rechte, und Deutschland hat dieselben anerkannt (s. Neue Republik). Dadurch, dass die Frage des Besitzes der Lucia-Bai nur zwischen England und den Transvaalbauern zur Entscheidung kommt und Deutschland sich eines jeden Einspruches begeben hat, wird selbstverständlich die Giltigkeit des Landankaufes durch Herrn Lüderitz nicht berührt. Überdies hat England erklärt, nur auf die nächste Umgebung der Bai Ansprüche zu erheben. Wenn daher nun Deutschland auch sich verpflichtet hat, an dieser Küste kein Protektorat zu übernehmen, so bleibt der deutschen Einwanderung doch ein weites Gebiet offen, das nicht unter englischer Herrschaft steht und in dem der deutsche Einwanderer eine neue Heimat unter Wahrung seines Volkstums finden kann, und zur Einwanderung scheint sich das Hinterland der Lucia-Bai vortrefflich zu eignen. „Die Bai ist die Eingangspforte zum Sululand, einem der fruchtbarsten Länder Südafrikas. Nicht eine vom Fieber verpestete Luft empfängt hier den Kolonisten, sondern eine gesunde, reine Luft, wie man sie in Deutschland nicht besser finden kann. An der Küste können alle subtropischen Gewächse gezogen werden. Zuckerfabriken werden hier entstehen, Kaffee wird exportiert werden können, ebenso sämtliche Südfrüchte. In den höher gelegenen Farmen kann Schafzucht und Rindviehzucht mit Vorteil betrieben werden. Eine Eisenbahn von Santa Lucia-Bai nach Pretoria würde dem deutschen Handel ganz Transvaal eröffnen, während dem deutschen Kolonisten Gelegenheit gegeben wäre, sich auszubreiten. Mit einigem Nachdenken muss es jedem klar werden, dass hier für deutschen Unternehmungsgeist ein Feld ist, wie es grossartiger gar nicht gedacht werden kann, und wenn wir hinblicken auf andere Länder, wo deutsche Arbeit aus wüsten Landstrichen blühende Gefilde gemacht hat, so dürfen wir hoffen und erwarten, dass aus den jetzt hier brach liegenden Ländern ein zweites Deutschland entstehen wird, blühend von deutscher Arbeit, nicht nur bewohnt von Schwarzen, die der Industrie zichts von Bedeutung einbringen, sondern von unseren Landsleuten, die nicht allein treu zu Kaiser und Reich, sondern auch zur deutschen Industrie stehen werden, immer und stetig.“ Das Land an der Lucia-Bai verdient jedenfalls, dass man ihm eine besondere Aufmerksamkeit zuwendet, und unsere kolonialpolitischen Vereine sollten nicht unterlassen, durch Entsendung von Sachverständigen eine Prüfung anzustellen, ob sich nicht ein Teil des deutschen Answandererstromes hierher leiten liesse.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1146Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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