Sauakim (Suakim, Sauakin, Soakin u. Ss. w.), der einzige Handelshafen Nubiens, unter 190 7° nördl, Br. und 870 20° östl. L. auf einer Insel gelegen. Nach Sauakim kommen Karawanen aus Abessinien, welche von Gondar über Wochne, Gallabat, Godaref und Kassala 35 —40 Tage unterwegs sind. Trotzdem Massaua näher ist, wird doch der Hafen von Sauakim von den Abessiniern bevorzugt, denn die Strasse dorthin führt durch ebenes Land und ermöglicht die Benutzung von Kamelen, während auf der Strasse nach Massaua nur Maultiere benutzt werden können, was den Warentransport sehr verteuert. Eine zweite Karawanenstrasse verbindet Sauakim wit Berber am Nil, welches gewöhnlich in 12 Tagen erreicht wird. Die ägyptische Regierung hat auf dieser Strecke Brunnen graben lassen, aber der Verkehr ist unbedeutend und beschränkt sich auf den Handel mit Tabak und gewebten Waren aus Indien, Sandelholz und Wohlgerüchen, welche gegen Gummi und Elfenbein eingetauscht werden. Eine dritte Strasse führt nach Schendy am Nil. Mit dem Sudan steht Sauakim über Chartum in Verbindung, und die Karawanen gehen bis Kordofan u. Darfur. Über See herrscht von Sauakim aus ein lebhafter Handel mit Dschidda, dem Hafen Mekkas. Zur Ausfuhr gelangt hauptsächlich die in Arabien in grosser Menge konsumierte flüssige Butter, von welcher alljährlich Quantitäten im Werte von etwa 210000 Maria-Theresienthalern ausgeführt werden; fernere Ausfuhrartikel sind: Salz, Kaffee, Datteln, Gummi, Getreide, Gold und Schlachtvieh. Seitdem die Dampfboote der ägyptischen Linie in Sauakim anlegen, ist der Handelsverkehr sehr gestiegen, und neuere Nachrichten schätzen den Verkehr Sauakims allein mit Dschidda auf mehr als 4!/, Millionen Franken. Im Hafen von Sauakim schiffen sich auch alle die Tausende afrikanischer Pilger ein, welche jährlich nach Mekka wandern. Sauakim ist auch der Ausfuhrhafen für den nordostafrikanischen Tierhandel (s. d.). Die grossen Hagenbeckschen Tierkarawanen treiien dort von Kassala her ein, und die Tiere werden in Sauakim auf Dampfer geladen, welche sie über Suez und Alexandria nach Hamburg bringen. (Der Transport von Kassala bis Hamburg dauert 70—80 Tage.) Durch den Aufstand des Mahdi, welcher Sauakims Verkehr mit dem Hinterlande zeitweilig völlig unmöglich machte, ist nicht nur der Tierhandel, sondern der Handel Sauakims überhaupt ins Stocken geraten. — Die auf der Insel gelegene Stadt Sauakim zählt etwa 8000 Einwohner. sie ist gut befestigt und hat eine Garnison, welche während des Mahdi-Aufstandes wiederholt in die Lage kam, Vorstösse der Mahdisten nach dem wichtigen Hafenplatze abzuwehren. Sauakim gegenüber liest auf dem Festlande die volkreichere Stadt El Gaif. Sauakim ist eine kosmopolitische Handelsstadt. Besonders thätig sind die arabischen Kaufleute, aber auch Türken, Leute von Hadramaut, Griechen und Malteser treffen hier zusammen. Sklavenhandel wird noch immer betrieben; die Sklavenhändler aus dem Innern kommen als einfache Reisende in Begleitung von Frauen und Dienerschaft, aber bei der Rückkehr aus hier sind sie allein: „Durch Krankheit, Ehescheidungen, Desertionen,“ versichern sie, „hat sich das Gefolge zerstreut und anloren Die einheimische Bevölkerung lebt vorzugsweise in der ch El: Gaif, garen Hütten sich längs der des Hafens und an beiden Seiten der Strasse nach Berber ausstrecken. Im Sommer weilt die Hälfte der Hadendoa — dem Stamme derselben gehören die Bewohner von El Gaif an — in den benachbarten Gebirgen, auf deren Weiden sie das Vieh hüten. Sie arbeiten im Hafen und besorgen die Zufuhren nach der Stadt.