Schilluk, ein zahlreiches Nigritiervolk, das jetzt (vgl. Bondjak) am linken oder westlichen Ufer des Weissen Nil, vom Djebel Dinka bis zum Bachrel-Ghasel, seine Sitze hat und im Westen an Kordofan und die dort nomadisierenden Araberstämme stösst. Ihr Gebiet hat eine Ausdehnung von ca. 2000 geogr. Q.-Meilen; ihre Seelenzahl berechnet Schweinfurth auf über eine Million; derselbe Reisende zählte am linken Stromufer 3000 Schilluk-Dörfer. Die Schilluk (Sing. Schilkäwi) haben einen ziemlich gerundeten Schädel, einen Gesichtswinkel von 70 Grad, eine gerade dicke Nase, welche der Physiognomie etwas rohe Plattheit giebt; der Mund ist gross, die Lippen sind nicht wulstig; die häufig einen tückischen Ausdruck zeigenden Augen sind von weiten Lidern eingeschlossen. Es fehlt ihren Zügen der Stempel der Milde und Intelligenz der Funsch-Berun (in Sennaar). Ihr Haar ist kraus, jedoch nicht wollig, ihre Haut dunkelschwarz; der Gliederbau ist „war schlank, zeigt jedoch mehr eckige als wohlgebildete Formen; Hände und Füsse sind gross. Die Männer gehen völlig nackt; die Weiber umhüllen die Hüften mit einer schmalen gegerbten Haut; der zierlich aus Baumwollenfäden und Bast verfertigte, um die Lenden getragene Rahad ist.nur bei den Mädchen der nördlicher Wohnenden gebräuchlich, weiter südlich gehen dieselben unbekleidet. Schnüre von verschiedenartigen Glasperlen um den Hals, Ringe von Elfenbein und Kupfer, an den Knöcheln und um die Knöchel getragen, sind beliebter Schmuck. Das Haar wird auf mannigfache Weise, z. B. kranzartig um den Kopf ge- . Hochten, dasselbe auch mit Federn von Stranssen, Kuhreihern u. s. W. verziert. Manche Schilluk tragen flache Mützen, dicht mit feinen kurzen Baumwollenschnüren besetzt und rot gefärbt. Die Hauptbeschäftigung der Schilluk ist Ackerbau, doch wird auch viel Fischfang getrieben. Neben diesen friedlichen Beschäftigungen bildet auch der Krieg für sie eine Erwerbsquelle, und sie unternehmen in Fahrzeugen, deren jedes 4—5 Mann trägt, weite Raubzüge. Ihre Waffen sind 8—10 Fuss lange Lanzen mit 1—2 Fuss langen eisernen Spitzen, ausserdem schwere hölzerne Keulen und ein am linken Ellbogen befestigtes Messer. — Einst bildeten die Schilluk einen selbständigen Staat, dessen Sultan in Denab residierte und ein unbeschränktes Willkürregiment führte. Seit 1861 standen die Schilluk unter ägyptischer Herrschaft. Die sind etwa 1 Million Köpfe stark und heute noch der mächtigste Stamm am weissen Nil.