FeedFelläh oder Felläch
TierreichBrockhaus 1882

Felläh oder Felläch, „Bauerv, vom arab. falaha, «pflügeno,‚ wird die ackerbautreibende Bevölkerung des flachen Landes in Agypten genannt, welche etwa drei Viertel der Gesamtbevölkerung ausmacht. Der F. ist der direkte Nachkomme des alten Agypters, von dem er sich neben ganz unwesentlichen Modifikationen im leiblichen Typus bloß durch die Sprache und Religion unterscheidet. Er hat nämlich seit der Eroberung Agyptens durch die Araber nach und nach seine Sprache (das Koptische) ganz aufgegeben und samt der Religion (dem Islam) die Sprache seines Herrn, das Arabische, angenommen, das er zu einem eigenen Dialekt (dem ägypt. Dialekt des Vulgärarabischen) entwickelte. Der leibliche Typus des 9 kehrt ohne besondere lokale Unterschiede in ganz Agypten wieder, ein Beweis, daß die ackerbautreibende Bevölkerung trotz des Eindringens so vieler fremder Elemente von jeglicher Vermischung verschont geblieben ist. Der Körperbau des F. ist kräftig, derb, muskulös. Der Schädel ist lang, oval; der Gesichtswinke variiert zwischen 80 und 75e, das Gesicht ist breit rund: die Stirn schmal, die Augen groß und lane geschnitten, die Nase kurz, mit breiten Flügeln. Die Backenknochen treten stark hervor, der große Mund ist von dicken Lippen eingefaßt. Der Bart ist dünn und erscheint erst in spätern Jahren und zwar vornehmlich am Kinn. Die Ohren stehen weit ab, die Haare sind schwarz und etwas gekräuselt. Der Hals ist kurz und dick, der Brustkorb breit und stark gewölbt, der großen Entwickelung der Lungen entsprechend. Die Extremitäten sind kräftig, namentlich die Füße, dagegen zeigen die Waden eine auffallende Magerkeit. Die Hautfarbe ist hellrötlichbraun und läßt sich am besten mit der Farbe frisch gegerbten Sohlenleders vergleichen. Die Frauen zeigen in der Regel einen edlern Typus als die Männer; nach der Bemerkung eines Kenners des heutigen Agypten kann das Gesicht der Sphinx als das Modell der Gesichter der heutigen Fellahweiber gelten. Die geschlechtliche Reife tritt beim Mädchen vom 9. bis zum 13., beim Knaben vom 10. bis 15. Lebensjahre ein; dagegen fängt das Weib schon im 25., der Mann im 35. Jahre zu altern an. Doch sollen Greise von 90 Jahren nicht zu den Seltenheiten gehören. Die Tracht des F. ist sehr einfach: im Sommer ein Hemd aus Kattun, um die Mitte mit einem Gürtel zusammengebunden, und ein Fes als Kopfbedeckung; im Winter wird ein Mantel oder eine Decke aus grober Wolle darüber angelegt. Die Weiber tragen ebenso ein etwas längeres Baumwollhemd und einen aus gleichem Stoffe verfertigten Schleier. Als Schmuck sind Armbänder, Ohrringe, seltener Nasenringe und Fußbänder aus Silber oder Kupfer beliebt. Häufig findet man auch blaue Tättowierungen auf dem Kinn, den Armen und der Brust. Die F. wohnen an den Ufern des Nils oder seinen Kanälen in Dörfern beisammen, die aus niedern, mit Durrastroh bedeckten Lehmhütten bestehen. Die Hütte umfaßt in der Regel eine Hubmne Stube, die auch den Ziegen, Schafen und Hühnern als Stall dient. Die Thür ist zugleich auch Fenster und Rauchfang. Die einzelnen Dörfer stehen unter Dorfschulzen (Scheich-el-beled), welche der Regierung für die richtige Ablieferung der Steuern verantwortlich sind. Dieselben sind nebst den Vorbetern (den Imams) durch einen weißen oder roten Turban ausgezeichnet und bewohnen Hütten, die besser eingerichtet sind und öfter noch ein zweites Stockwerk besitzen. Durch den harten Steuerdruck der ägypt. Regierung wird der F. zur Verschmitztheit, List und Lüge förmlich angeleitet, wogegen er an seine nächsten Anverwandten und Genossen immer inniger sich anschließt. Vgl. Lane, An account of the manners and customs of the modern Egyptians v (2 Bde., Lond. 1836; 2. Aufl. 1871.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 663Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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