Uganda, grosses Reich am nordwestlichen Ufer des Ukerewe, welches vom Flusse Kitangule bis zum Ausflusse des Nil aus dem See in Halbmondform sich ausbreitet, überdies die vielen im nördlichen Teil des Ukerewe gelegenen Inseln umfasst. Nach Stanleys Berechnung etwa 1500 Q.-Meilen gross, wozu noch die tributpfliehtigen Staaten Unyoro und Ukedi zu rechnen sind, welche seine Fläche auf etwa 3000 Q.-Meilen vermehren. Die Bevölkerung beträgt (nach Stanley) nicht viel über 1 Million. In der Nähe des Seees ist das Land fast überall eben, und viele Sümpfe und träge Gewässer durchziehen dasselbe. Der Boden ist sehr fruchtbar, manche Bäume erreichen eine erstaunliche Höhe. Nach dem Innern zu tritt der Wald zurück, und wellige, grasbewachsene Savannen, in welchen hier und da Haine zerstreut liegen, bilden ein vortreffliches Weidegebiet. Nach Westen hin werden die welligen Hügel zu schroffen, auf ihren Gipfeln mit ewigem Schnee bedeckten Gebirgsen. Das Klima Ugandas ist echt äquatorial. Fast täglich giebt es ein Gewitter mit starken Regen- und zeitweilig auch Hagelschauern. Während Spekes Aufenthalt zeigten sich die Thäler regelmässig am Morgen mit einem dichten Höhenrauche verschleiert, und häufig kam die Sonne den ganzen Tag nicht zum Vorschein. Dabei gedeiht eine tropische Vegetation auf dem roten Thonboden der Hügel, in besonders grosser Üppigkeit die Platane, welche den Eingeborenen den unentbehrlichen Palmwein liefert. Die. Bevölkerung teilt sich in Waganda und Wahuma, Herrscher und Beherrschte. Uber die Entstehung des Reiches berichtet die Sage folgendes: Vor acht Geschlechtern war dieses Land der Garten der Wahuma von Unyoro und wurde von den Eingeborenen, den Wiru oder Waddu (d. i. Sklaven), für diese Herren bebaut. Eines Tages erschien auf dem linken Ufer des Katonga ein Jäger namens Uganda mit seinem Weibe, und sein grosses Jagdglück bewog die Wiru, welche oft von ihm Fleisch erhielten, zu ihn zu sprechen: „Was ist uns unser König, der so weit weg ist, dass, als wir ihm eine Kuh als Tribut sandten, diese unterwegs ein Kalb nach dem andern gebar und doch noch immer nicht angelangt ist?“ Uganda wurde ihr König, gab dem Lande seinen Namen und nannte sich selbst fortan Kimera. Er sorgte eifrig für die Hebung seines Landes, legte Strassen durch dasselbe an, liess grosse Schiffe bauen, baute aber auch für sich einen grossen Palast und umgab sich mit einem glänzenden Hofstaat und einem reichen Harem — kurz, er war der Schöpfer alles dessen, was schon die ersten Europäer, die in das Land kamen, Speke und Grant, bewunderten. Zur Zeit ihrer Ankunft berrschte über Uganda der junge König Mtesa, der später noch von vielen Europäern besucht worden ist. Unter der langen. Regierung dieses Fürsten (er starb 1854) nahm das Reich einen überraschenden Aufschwung. Als Speke in Uganda weilte, war Mtesa noch ein blutgieriger Tyrann, aber bald darauf vollzog sich eine grosse Wandlung in seinem ganzen Wesen. Der Araber Muley bin Salam bekehrte ihn zum Islam, und er wurde nun ein eifriger Mohammedaner, „enthielt sich des starken einheimischen Bieres, welches sein Blut in Wallung zu bringen pflegte, und entsagte der von seinen Ahnen ererbten Neigung zum Blutvergiessen.* Alle Reisenden, welche Mtesa nach dieser Wandlung gesehen und kennen lernten, sprachen mit Begeisterung von ihm und seinem Wirken. Er war in der. That ein Bahnbrecher europäischer Kultur iu Afrika. Siegreiche Feldzüge hatten sein Reich weit ausgedehnt, aber sein Streben war nicht bloss auf Vermehrung seiner Macht gerichtet, sondern ihn erfüllte das Verlangen, mit Europa in engere Verbindung zu treten. Europäische Reisende fanden an seinem Hofe die freundlichste Aufnahme, und er sandte selbst Gesandtschaften an die Sultane Seyd Medschid und Seyd Bargasch nach Sansibar und an den ägyptischen Pascha in Gondokoro. Europäer sollten sein Volk unterrichten, und um den Handel in zivilisiertere Bahnen zu lenken, wollte er Metallgeld in seinem Lande einführen. Unter seinem Nachfolger Mwanga ist leider ein Umschwung eingetreten. Der neue Herrscher scheint von Besorgnis erfüllt zu sein, dass die Europäer seinem Reich ein Ende machen könnten, und er zeigt sich denselben entschieden abgeneist, ja feindlich. Bischof Hattington, der 1885 in sein Land kam, wurde auf sein Geheiss mit allen seinen Begleitern getötet. Augenblicklich befindet sich der Deutsche Dr. Fischer auf einem Zuge nach Uganda, und die Nachrichten, die bisher von ihm eingelaufen sind, lassen es sehr fraglich erscheinen, ob er in Uganda eine freundliche Aufnahme finden wird.