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GeschichteAfrika Hand-Lexikon 1885

Unioro, grosses Reich nördlich von Uganda, zuerst von Speke auf seiner grossen Reise besucht. Der Boden Unioros besteht aus rotem, für Wasser undurchlässigem Thon, die ausgetretenen Pfade aber sind mit weissem Sande bedeckt. „Die wellige Landschaft, durch welche Speke zog, zeigte sich meist mit 1—1!/; m hohem Grase bewachsen, die Schilfe von Uganda waren verschwunden; dafür bemerkten die Reisenden eine neue Art von Zuckerrohr und Hirse. Akazien, Kaktusstauden, wilder Wein und einige wenige Palmbäume traten gruppenweise dazwischen auf. Auf den Hügeln weidete Vieh, nicht selten in Herden von mehreren hundert Stück; in einsameren Gegenden sah man dafür Antilopen, Büffel, Zebras und mitunter grosse Scharen von Elefanten.“ Die Residenz des Königs Kamrasi, welchen Speke und Grant 1362 besuchten, lag auf dem rechten Ufer des Kafu, eines dem Nil zufliessenden Gewässers. „Zum ersten Empfange war eine besondere Hütte auf dem rechten Ufer des Kafu erbaut worden. Dort sass und wartete der „König aller Könige“, oder der „Vater aller Könige“, wie der Titel der Monarchen Unioros lautet, auf einem mit Häuten und Leopardenfellen überdeckten Sessel, der auf einem etwas erhöhten Gerüste stand. Ein ausgespanntes Kuhfell vertrat, vom Dache niederschwebend, die Stelle eines Thronhimmels und diente ausserdem als „Parapluie“ gegen allen Schmutz, der ausserdem seinen Weg vom Dache auf das Haupt des „Vaters der Könige* herabgefunden hätte. Kamrasis Gesicht war schmal, seine . Augen länglich, seine Nase vortretend; obgleich von hoher Statur, war er doch minder stattlich als Rumanika und Mtesa. Im Vergleiche mit letzterem konnte er übrigens als ein milder Herrscher gelten, denn bei Vergehen seiner Unterthanen liess er es in der Regel bei einer Tracht Schläge bewenden, wo Mtesa unfehlbar seine Bluturteile gefällt hätte. Als Geld dienen in Unioro meist Kaurimuscheln; Perlen und Tuch sind in diesem Lande, welches auf der Scheide zwischen dem Handel Süden liegt, wenig im Gebrauch. Der Umstand, dass fast alle Kaurimuscheln, welche die Reisenden im Umlauf sahen, mit Erde beschmutzt waren, scheint anzudeuten, dass die Wanioro mit Ängstlichkeit und Geiz ihre Schätze hüten. Ihre Kunstfertigkeit erstreckt sich auf die Verfertigung gespaltener Elfenbeinringe, welche um Hand- und Fussgelenke getragen werden, und zwei Spannen lange Speerklingen. Männer wie Weiber zieren sich mit Armbändern aus Haaren, durchflochten mit Messing-, Kupfer- und Eisendraht.* sities Mission). Nachdem die Nachrieht von Livingstones grossartigen Erfolgen am Nyassa und Sambesi nach Europa gelangt war, vereinigten sich 1860 die Universitäten Cambridge und Oxford zur Gründung einer Mission,’ der sogen. U,-M,, welche in dem von Livingstone erforsehten Gebiet ihre Thätigkeit beginnen sollte. Bischof Mackenzie begab sich 1861 mit mehreren Geistlichen an den Sambesi, und es gelang ihm, in Magomero eine Niederlassung zu gründen, welche er mit 148 Negern, die man Sklavenkarawanen abgenommen, hatte, besetzte. Der Bischof erlag aber bald dem Klima und die übrigen Priester verliessen entmutigst die Stätte ihrer bisherigen Thätigkeit. Der Name der U.-M. ging nun auf die von Bischof Tozer in Sansibar geleitete Mission über.

Afrika Hand-Lexikon. Ein Nachschlagebuch für JedermannVon Paul Heichen, Leipzig: Gressner & Schramm 1885 · Bd. 3, S. 1299Scan: Staats- und Universitätsbibliothek Bremen · gemeinfrei

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