Viktoria-Niansa (Ukerewe),grosser Quellsee des Nil, schon 1855 von den deutschen Missionären Erhardt und Rebmann erkundet, zuerst gesehen 1858 von Speke, der den Nil aufwärts gezogen war. Der See hat etwa 1400 Q.-Mln. Flächeninhalt, liest 40 42' über dem Meere und breitet sich von 00525: n. Br. b1s:20. 45! 5, Br, aus, seine Breitseite nach Norden, die Spitze nach Süden gekehrt. Nachdem Speke am 3. August einen Höhenzug erstiegen, dehnten sich vor seinen Blicken die hellblau schimmernden Wasser des Niansa in unabsehbaren Fernen aus. „Von Nord bis West bildete die Wasserlinie des Sees die Aussichtsgrenze am Horizont; links drängte sich in den Gesichtskreis ein Archipel von Inseln mit Bergen, welche 60—100 m über die Seefliche emporragen mochten. Jede dieser Inseln erhob sich sanft zu einer runden Kuppe; die Falten zwischen denrauhen Kanten der Granitwände waren mit Wald bekleidet, und in lieblicher Ruhe fiel das Bild in den Spiegel des Seees, auf welchem hie und da ein winziges Fleckchen schwamm, die Nussschale eines Muanzafischers. Das 'Zael der Reise, die Landschaft Muanza, lag jetzt dicht zu Füssen des Entdeckers, — in der sanft geneigten Ebene verrieten blaugekräuselteRauchsäulenüber den Bäumen halbversteckte Dörfer und Weiler; ihre braunen Dächer bildeten einen günstigen Gegensatz zu dem smaragdnen Grün des Milchbaumes, dessen korallenartige Zweige sich im reichsten Blütenschmucke um die Hütten drängten oder sich zu Laubgängen um die Dörfer vereinigten. Nordwärts, 5—6 Meilen weit im See, lagen 2 grosse, geschwisterliche Inseln, Kerewe und Mzita; ein nordöstlich vortretendes Horn der ersteren verwehrte den weitern Ausblick auf die nach jener Richtung sich vorstreckende Wasserfläche. Während Speke die Sanftheit der flachen oder hügeligen Ufer und der zahlreichen Inseln hervorhob, äusserte sich Burton, sein Begleiter auf seiner 2. Reise: „Der See liegt hoch und offen, eher wie zur Abfuhr und zeitweiligen Aufspeicherung ausgedehnter Fluten bestimmt als eine vulkanische Bildung wie des Tangan-Jika langes, schmales Bergseebecken.* Durch spätere Forschungen sind allerdings an seiner Ostseite höhere Ränder nachgewiesen worden, die sich in dem Madahita-Gebirge bis zu 2500 m erheben. Speke berichtete auch schon, dass das Wasser des Ukerewe einen so ungewöhnlichen Wohlgeschmack besitze, dass es von den Anwohnern dem besten Quellwasser vorgezogen werde Die Farbe des Seees bezeichnet er als lichtes Blau aus der Ferne gesehen, welches jedoch nach neun Uhr morgens, sobald der hier regelmässig wehende Südost einsetzt, in eine milchige oder grauliche Farbe übergehe. Der See ist nach Burton und Speke wiederholt besucht worden, Stanley umschiffte ihn 1878 auf seiner grossen Reise, aber trotzdem sind seine Ufer und Zuflüsse noch nicht genau bekannt. Als sein grösster Zufluss gilt der Schinoju, welcher, unter 5% s. Br. in Uniamwesi entspringend, von Süden her einmündet. Von Einigen wird derselbe für den eigentlichen Quellfiuss des Nil gehalten. Von Westen mündet in den See der Kagera oder Kitangula, der Abfluss des Alexandra Niansa. Speke sowohl als Grant, der ihn einige Monate später sah, hielten den an seiner Mündung 80 Fuss breiten Kitangule für den Hauptzufluss des Seees. Die ganze Gegend zeigt sich ausserordentlich wasserreich, auf mancher Stunde Weges traf man auf neun oder zehn Bäche und Flüsschen, aber alle konnten durchwatet werden, keiner besass eine schiffbare Tiefe wie der Kitangule. Die Araber bestätigten, dass alle diese Wasser im grossen See sich sammelten, der 20000 (englische) Quadratmeilen Fläche fasse, in seinem östlichen Teile gänzlich unerforscht und nie durchfahren worden sei. Die Gegend nördlich vom Kitangule besteht aus weiten, grasreichen Ebenen, ‚von wellenförmigen Höhenrücken geradlinig durchstrichen; felsige Hügel zeigten sich in der Ferne. Bäume erschienen nur in geringer Zahl; meist waren es wilde Dattelpalmen, welche zu dreien und vieren auf kahlen, grünen Anhöhen zusammenstanden. Üppige Vegetation zeigten namentlich die Hügelböschungen, und fast die gesamte Landkultur war auf diese beschränkt, denn die Ebenen zwischen den Höhenzügen, welche bis zu 11/, Meile im Durchmesser hielten, standen 1/; m tief unter Wasser. Wo die Erhebungen des Bodens den Ausblick gegen Osten gestatteten, da traf das bewunderndeAuge auf denschimmernden Spiegel des Niansa, welcher über einen vollen Viertelsbogen des Horizontes sich ausspannte. Seine Ufer begrenzt ein breiter Saum von Papyrusdickicht, aus welchem das heisere Gebrüll der Hippopotamen. herüberdröhnte. Bewaldete Landzungen teilen das Ufer in reizende Buchten und dehnen sich oft weit. in den See hinein, ein Inselehen an ihrer Spitze; Gruppen niedriger Eilande, die Sesseinseln beleben den westlichen Rand des Seees. Grosse Boote von Eingeborenen durchfurchen die Wasserfläche und vermitteln den Verkehr zwischen dem Festlande und den Inseln.* . Im Norden verlässt ein Abfluss den See als majestätischer Strom "und bildet kurz nach seinem Austritt in der Landschaft Usogo die Ripon-Fälle, hinter welchen er sich zu dem seichten Ibrahim Pascha-See erweitert und jenseits der Stromschnellen von Karuma den Abfluss des Mwuta Nsige aufnimmt. i