Absinth, ein sichtengrüner Wermuthliqueur von würzig bitterem Geschmack, der, ursprünglich nur als Arznei im Gebrauch, erst seit 1791 zum Range eines Genußmittels gelangte. Eine Schwester Krankenpflegerin im damaligen Westspitale zu Paris, die zugleich den Spitalgeistlichen bei der Messe zu bedienen hatte, füllte nämlich eines Tages aus Versehen das Meßkännchen aus der Absinth: statt aus der Weinflasche, der Priester schrie über Vergiftung, die Nonne wurde verhaftet und der vermeintliche Gifttrank dem Apotheker Bondet zur Untersuchung übergeben. Boudet erkannte nicht nur den Wermuthextraet, sondern stellte auch durch Versuche am eigenen Leibe die magenstärkende Eigenschaft desselben fest, und auf seine gewichtige Empfehlung hin wurde es in guten Häusern Sitte, 10 Minuten vor der Suppe als „Vortrunk“ (coup d'avant) ein Gläschen Absinth zu nehmen. Schwache Geister verschnitten übrigens schon damals den Absinth mit Wasser — eine offenbare Barbarei, denn wer den Liqueur nicht mag, der lasse ihn ungehudelt und begnüge sich mit Zuckerwasser. Seit einigen 30 Jahren ist der Liqueur in Verruf grrathen, doch ohne sein Verschulden, denn was in den französischen und belgischen „Gifthütten“ (assommoirs) als Absinth geschenkt wird, ist in Wahrheit nur gefärbter und mit Pfeffer, Schwefelsäure, Kupfervitriol und anderm Teufelszeug versetzter Kartoffelschnaps, dessen fortgesetzter Genuß allerdings zum Säuferwahnsinn führen muß. Reiner Absinth duftet stark ätherisch nach Fenchel und Anis und trübt sich milchig, sobald man etwas Wasser zusetzt.