FeedNüässe
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Nüässe nude erude sind welsche oder Wallnüsse, die mit fleischiger grüner Schale und harter brauner Kernkapsel versehenen Früchte des Wallnußbaums, die sich nicht blos wie die Haselnüsse in der Küche und als Dessertobst verwenden lassen, sondern auch ein sehr mildes, wohlschmeckendes, grünliches Speiseöl liefern, das an Verdaulichkeit dem Mohnöl nahe kommt und nur den einen Fehler hat, daß es gar zu leicht ranzig wird. Die unreifen Früchte geben, mit Zucker eingemacht, ein gern gesehenes und noch lieber gegessenes Nuß-Confect, mit Zucker und Branntwein aber den hochachtbaren Nuß-Liqueur, eines der angenehmsten Mund-Parfümirmittel, die dem Gastronomen zu Gebote stehen. Den Lehrbüchern zu Folge stammt der Urquell dieser Annehmlichkeiten aus Persien — in Wahrheit ist er ein halber Kosmopolit, dessen Heimat die kleine Strecke vom äußersten Japan bis an die Adria umfaßt, und der sogar im Banat als eingeborener Wildling auftritt. Die alten Griechen waren (unter uns gesagt) nur zu faul, sich um die Cultur des prächtigen Baumes zu bemühen, und warteten daher, bis ihnen Alexander der Große den cultivirten Stamm fix und fertig aus Persien mitbrachte. Weit früher schon dürfte Italien den Wallnußbaum erhalten haben, und zwar von Karthago aus, wohin die Phönicier ihn gebracht hatten. Daraus erklärt sich die merkwürdige Thatsache, daß sich in norditalienischen Pfahlbauten aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Wallnußschalen gefunden haben. Nach England scheint er schon mit den Angelsachsen gekommen zu sein (450 n. Chr.), und daß Karl der Große ihn diesseits des Rheines fleißig anpflanzen ließ, versteht sich von selber. In Oesterreich wird er in Dalmatien, Istrien und Ostgalizien, hauptsächlich aber in Krain und Steiermark gezogen, in Deutschland kommt er nur im badischen Oberland in größerer Menge vor. In der Schweiz ist der Nußbaum sehr verbreitet, den großen europäischen Bedarf jedoch decken vorzüglich Kleinasien, Piemont und Savoyen, Spanien und Frankreich. Vgl. Oel.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 378Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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