Bohnen heißen die ganz oder angedeutet nierenförmigen Samenkörner zahlreicher Pflanzengeschlechter. Vorzugsweise aber bezeichnet man damit eine Hülsenfrucht (Pflanze wie Samen), die in zwei verschiedenen Gattungen (Feldbohne und Gartenbohne) und zahlreichen Spielarten in allen Welttheilen für den Küchenbedarf gezogen wird und in Folge ihres hohen Stickstoffgehaltes zu den kräftigsten Nahrungsmitteln aus dem Pflanzenreiche zählt. Leider ist diese Nahrhaftigkeit mit einem Grad von Schwerverdaulichkeit verschwistert, daß nur Leute mit leistungsfähigem Magen und bei angestrengter Körperthätigkeit sie ungestraft bis zur Sättigung genießen können. Zum ausschließlichen Nahrungsmittel ist daher die Bohne nicht geeignet und hat auch nirgends diese Stellung erworben, obgleich es kaum ein mit der Civilisation in Berührung gekommenes Land gibt, in welchem nicht die eine oder die andere Sorte cultivirt würde. Eine Hauptrolle spielt sie in Europa bei der Ernährung von Heer und Marine, zu welchem Zwecke Frankreich z. B. jährlich 1•5 bis Millionen Kilogramm nur aus der Türkei (namentlich die berühmten von Platana bei Trapezunt) und Deutschland in jüngster Zeit gar an 200 000 g namentlich aus Oesterreich einführt, das 1890 rund 505 000 d Bohnen im Wert von Millionen Mark exportirte. Eine noch größere Bedeutung hat die Bohne in Chile, Brasilien und Mittelamerika, namentlich in Mexico, wo sie ein fast tägliches Gericht bildet und der Jahresverbrauch auf 90 kg pro Kopf der Bevölkerung berechnet wird. Man verwendet dort ausschließlich eine Gartenbohnenart, die sog. schwarze Bohne (krijoles) und bereitet sie mit solchem Raffinement, daß Bohnen auf Mex icanisch allerdings für eine Delicatesse gelten dürfen. Die krijoles werden zunächst langsam und lange in Salzwasser abgekocht, dann, nachdem das Wasser abgeschüttet worden (das in Mexico geradezu für giftig gilt!), mit Schmalz und zerstoßenen Pfefferschoten eingeschmort und endlich mit Zwiebeln oder Knoblauch ein wenig gewürzt. Centralamerika scheint überhaupt das Vaterland unserer Gartenbohne (Veitsbohne, Faseole, Fasole oder Fisole) zu sein, denn soviel steht fest, daß weder die alten Inder, noch Aegypter, Hebräer, Griechen und Römer sie gekannt haben, und daß ihr Anbau in Europa sich erst seit dem 16. Jahrhundert, also nach der Entdeckung Amerilas, mit Sicherheit nachweisen läßt; auch fällt in's Gewicht, daß die fasols oder frijoleras nirgends häufiger und mehr im Großen gebaut werden als gerade in Spanien, wo die Feldmark von Valencia allein im Durchschnitt jährlich 20000 hl Bohnen erzeugt. Ferner erhielt China die Gartenbohne nicht aus Indien, sondern erst im 17. Jahrhundert durch die Holländer, weshalb sie dort noch heute „Holländerbohne“ heißt, während England, das es sonst mit der Gemüsecultur gar nicht eilig hatte und darin bis in's 18. Jahrhundert hinein hinter dem übrigen Europa zurückstand, schon im 17. Jahrhundert mit Vorliebe Gartenbohnen baute. Gegenwärtig wird die Gartenbohne in Europa in etwa 80 Spielarten gezogen, als deren Haupttypen die Stangen⸗ oder Schminkbohne mit 3—4 m langem, windendem Stengel, der durch eine Stange unterstützt werden muß, und die Zwerg⸗, Kriech- oder Buschbohne mit 03 -05 m hohem, aufrechtem Stengel zu betrachten sind. Die Bohnen werden in reifem Zustande in der Suppe, als Salat oder als Purée genossen und dienen gemahlen als Grundlage kräftiger Suppenconserven. Am liebsten jedoch — und mit Recht, da sie in dieser Gestalt am verdaulichsten sind — verspeist man sie grün mit der Hülse sowohl als Gemüse (eingebrannt, mit Essig, mit Butter etc.) oder als Salat. Diese „grünen Bohnen“ werden auch, ganz oder zerstückt, roh in Salz oder abgekocht in Essig eingelegt oder auch, geschnitten und abgesotten, einfach getrocknet und bilden in dieser Form eine werthvolle Hilfsquelle für die Zeit, wo es an frischem Gemüse mangelt. An der Feldbohne, auch Acker-, Pferde-, Sau- oder Puffbohne, ist das merkwürdigste, daß sie überhaupt keine Bohne, sondern eine Wicke ist. Diese Wickenbohne war bereits Aegytern, Hebräern und Griechen wohlbekannt, und nur auf sie sind die Erzählungen und Berichte der Alten zu beziehen, wobei jedoch zu beachten, daß die Bohnen, deren Genuß der biedere Pythagoras seinen Schülern untersagte, höchst wahrscheinlich keine Puff⸗, sondern sogenannte „ägyptische Bohnen“ d. h. die Kerne der bei Indern und Aegyptern heilig geachteten Nilrose oder Lotosblume waren. Die Feldbohne stammt aus den Ländern am kaspischen Meere und wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit über Europa verbreitet, wo sie bis zum Auftreten der Gartenbohne namentlich im Süden als Volksnahrungsmittel eine hervorragende Rolle spielte. Bei den Feinschmeckern aber war sie selbst im grauesten Alterthum nicht sonderlich beliebt, und ein orphischer Vers behauptet sogar: „Bohnenessen sei schlimmer als Mord und Todschlag“, nämlich Selbstmord. Gegenwärtig wird sie in erster Linie als Viehfutter und erst in zweiter als Gemüsepflanze gebaut. Die Bohnen kommen halbreif als Gemüse oder als Salat auf den Tisch, und die grünen Hülsen werden, in Butter geschmort, als Zwischengericht servirt. Die reife Bohne wird selbst im gelobten Land der Hülsenfrüchte, im schönen Spanien, nur von den Armen gegessen. Die blähende Eigenschaft der Bohnen, insbesondere der Puffbohnen, war von jeher verrufen. Der deutsche Volkswitz nannte die lautbar werdenden Folgen des Bohnengenusses schon im 15. Jahrhundert das „Bohnenlied“, und noch heute sagen wir bei einem besonders auffallenden Zuge von Derbheit und Unverfrorenheit: „Das geht über das Bohnenlied“. Ein Franzose nannte die große Bohne (flageolet) „le piano du pauyre“.