FeedJohannisbrot
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Johannisbrot, in Oesterreich Bockshörndl, heißen im landläufigen Deutsch die berühmten „Trebern“, die der verlorene Sohn während seiner berufsmäßigen Ausbildung zum Schweinehirten als ersten, zweiten und dritten Gang und überdies zum Nachtisch genoß. Es ging also dem Manne nach heutigen Begriffen noch gar nicht so schlecht, denn die wohlbekannten, glänzend dunkelbraunen, 10—20 em langen und bis 3 em breiten Schoten sind bei einem Zuckergehalt von etwa 40%% nebst 67“ Stickstoffsubstanz und 1½% Buttersäure ebenso wohlschmeckend wie nahrhaft und bilden daher noch heute im ganzen Mittelmeergebiet ein beliebtes Nahrungsmittel der untern Volksklassen. Uebrigens wächst diese eigenthümliche Hülsenfrucht auf einem stattlichen Baume, dem Karato, auch Karoben- oder Bocks hornbaum, für dessen Heimat dem gedachten verlorenen Sohn zu lieb in der Regel Palästina angesehen wird, während doch die hebräische Sprache nicht einmal einen eigenen Namen für ihn hat, sondern sich mit der griechischen Bezeichnung behilft. In Wahrheit ist der Karato in Anatolien, Syrien und Kyrene zu Hause, wurde von den Griechen nach Griechenland und Italien verpflanzt und endlich von den Arabern bis nach Marocco und Spanien verbreitet. Die besten, d. h. zuckerhaltigsten Sorten liefert noch immer Syrien, ferner Cypern, Kleinasien und endlich die Provinz Algarbien in Portugal, wo ein Baum nicht selten 40—50 kg trockner Früchte gibt. Die Schoten werden noch vor der Reife vorsichtig abgeschlagen und dann an der Sonne gedörrt oder z. B. auf Cypern ausgepreßt und auf diese Weise ein Syrup, der sogenannte Kaftanhonig (nach einem Flecken der Insel), daraus gewonnen oder aber, wie in Portugal und auf den Azoren, zur Fabrication von feinem Sprit verwendet. Die Samen endlich liefern ein Kaffee-Surrogat, den sogenannten Carobbe-Kaffee; zur Zeit der Araber dienten sie den Edelsteinhändlern und Apothekern als Gewichte, und daher rechnet man im Brillantenhandel noch heute nach „Karaten“. Daß auch in Mittel- und Nordeuropa weit mehr Johannisbrot verknabbert wird, als man gewöhnlich meint und merkt, beweisen die Importziffern. Im Jahre 1890 z. B. führte Oesterreich rund 24000 9 und Deutschland rund 17000 g ein.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 245Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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