Sonnenblumenöl, aus den Samen der Sonnenblume gepreßt, kam in größerer Menge zum ersten Mal 1865 aus Rußland auf den Markt und hat sich seitdem in Westeuropa ziemlich eingebürgert. Klar, von hellgelber Farbe und von mildem Geschmack, dient es hauptsächlich zu technischen Zwecken, und zur Vermehrung des Olivenöls, wird aber auch vielfach als Speiseöl benützt. Die Samen selber werden in Südrußland von den Bauern, in Oesterreich und Deutschland von den Kindern als Leckerei gegessen. Die Blüthenknospen lassen sich wie Artischocken zubereiten — von dem Geschmack dieser Pseudo-Artischocken ist indessen nicht viel zu sagen. Die Pflanze selber, ausgezeichnet durch stattlichen Wuchs, die beinahe tellergroße Blütenscheibe und dem ausgeprägtesten Heliotropismus, gelangte 1569 aus Amerika nach Südeuropa, fand sich schon 1598 als Zierpflanze im Württembergischen, war aber in Oesterreich noch 1682 fremd. Als Oelpflanze gewann sie seit 1840 in Südrußland Bedeutung und wurde als solche etwa seit 1845 auch in Baden, seit 1855 in Niederösterreich und Ungarn in Cultur genommen. In Norddeutschland ist sie durchaus Zierpflanze geblieben und kommt nur im Garten vor.