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PflanzenreichAppetit-Lexikon 1894

Buchweizen, wegen seiner Genügsamkeit auch Heidekorn genannt, ein Knöterichgewächs und der Herren Ampfer und Rhabarber nächster Vetter, kam im 15. Jahrhundert durch die Tartarei und Polen nach Nordost-Deutschland und empfing hier den Namen von seinen braunen, dreikantigen, bucheckerähnlichen Früchten, die die bekannte graue oder Heidegrütze und ein zwar zum Brotbacken wenig, aber zu feinen Backwaaren trefflich geeignetes Mehl von geringem Stickstoffgehalte liefern. Von den beiden in Deutschland cultivirten Arten erscheint der gemeine Buchweizen oder Franzwerzen schon 1436 im Amte Gadebusch in Mecklenburg als Feldfrucht und im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in Oberitalien, wo er seines sonnverbrannten Aussehens wegen den Namen „Saracener-Korn“ erhielt. Von Italien aus kam er noch vor 1530 nach Frankreich, war dort aber noch hundert Jahre später (1629) ungemein selten. Dagegen wurde er schon um die Mitte des 16. Säculums im Odenwald, in ganz Norddeutschland und in Brabant häufig gezogen und gelangte vor 1597 auch nach England. Die zweite Art dagegen, der tartarische oder sibirische Buchweizen, kam erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus Sibirien nach Petersburg und gelangte erst seit 1737 durch die deutschen Botaniker in russischen Diensten zur Verbreitung. Der Buchweizen ist das Getreide der Sand- und Torfgegenden, der Lausitz, Pommerns, der Mark Brandenburg, Lüneburgs, Jütlands, der holländischen und belgischen Torfdistricte, der Bretagne u. s. w. und bildete bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts einen Haupteulturzweig und die Hauptnahrung der betreffenden Bevölkerungen, wird aber seitdem in Norddeutschland als Feldfrucht immer mehr von der Lupine verdrängt, ohne indessen in gleichem Maße aus der Reihe der Nahrungsmittel zu verschwinden. Deutschland führt daher Buchweizen (1890: 253 000, 1891: 366 000 g) namentlich aus Rußland und Frankreich ein. Buchweizengrütze in Wasser oder Milch gekocht, so daß der Löffel darin steht, und mit Butter oder Schmalz gefettet, wird entweder warm verzehrt oder nach dem Erkalten mit dem Messer zerschnitten und wie Zwieback zu warmer Milch gegessen. Dieser Brei ist indessen wenig nahrhaft, daher das niederdeutsche Dietum: „Bookweitenbrie — Bedrögerie“ (Buchweizenbrei — Betrügerei, für S. Maj. den Magen nämlich). Auch in Oesterreich hat der Buchweizen, im 17. Jahrhundert hauptsächlich nur Schweine⸗ und Hühnerfutter, noch immer die Bedeutung einer Hauptfrucht, von der jährlich an 1½ Millionen Hektoliter geerntet werden.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 72Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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