Mais, Welschkorn oder Türkischer Weizen, in Ungarn, Oesterreich, der Türkei und Griechenland Kukuruz, 514 in der Union rundweg Corn, die stattliche, geradezu imposante Halmfrucht des Westens, wird in Europa zum ersten Male im Jahre 1500 unter den Einfuhrartikeln der Stadt Sevilla erwähnt, verbreitete sich aber seitdem mit solcher Schnelle über den Süden des Continents, nach Afrika, Syrien, Kleinasien, nach den untern Donauländern und nach Ostindien, daß er schon um 1555 China erreicht hatte, ohne daß sich Näheres über die Stationen dieses Marsches angeben ließe. In Frankreich wird er zuerst 1536 durch Jean Ruelle, in Deutschland 1539 durch Hieronymus Bock genannt und erscheint 1565 als Zierpflanze im Stuttgarter Lustgarten. Nach dem Friaul brachte ihn 1590 Benedetto Miani, und schon 1610 bildete er einen ansehnlichen Ausfuhrartikel Venedigs. Inspruck erhielt ihn 1647 von Roveredo her, doch zunächst mehr als Zier⸗ denn als Nutzpflanze. „Er wird mehr Lust's wegen in die Gärten als in die Felder gebauet“, berichtet Hohberg 1682. „Die Hauer in Oesterreich bauen ihn auch gern in die Weinberge, wo ein wenig ein leerer Fleck ist, und hangen darnach die vielfarbigen Kolben in ihren Wohnzimmern zur Zierd' auf“. Auch in Steiermark und Niederösterreich begann die Maiscultur im Großen erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts, und nach Süd⸗ und Klein-Rußland wurde sie erst seit 1840 durch Regierungsmaßregeln von Bessarabien aus verpflanzt. Jetzt freilich bilden in Kiew wie in Odessa unreife Maiskolben, in Salzwasser abgekocht und mit frischer Butter bestrichen, ein ungemein beliebtes Gericht, das möglichst tagtäglich als Delicatesse nach Art unserer grünen Erbsen auf den Tisch kommt, während in Bessarabien, der Bukowina, ganz Rumänien und Serbien (wo laut Verordnung vom Jahre 1837 jeder verheiratete Landwirth 3 Pflugtage Kukuruz zu bauen hat) die Mamaliga, d. h. Maismehl in Wasser, an Festtagen mit Eiern und Butter in Milch gekocht, wie in Norditalien die Polenta (Maismehl in Wasser und mit Salz gewürzt) ein allgemeines Volksnahrungsmittel bilden und sogar die Stelle des Brotes vertreten. Auch in Norddeutschland war Maisbrei in Milch, mit Butter gefettet, nach dem Zeugniß Marperger's zu Anfang des 18. Jahrhunderts ein bekanntes ländliches Gericht, aber weniger beliebt als der Buchweizenbrei; jetzt ist er völlig unbekannt. Die durchschnittliche Jahresproduction beträgt zur Zeit in Rumänien rund 22, in Italien 29, in Oesterreich-Ungarn 39 und in der Union, wo das „Korn“ eine wirkliche Nationalpflanze darstellt, 600 Millionen Hektoliter. Die Maiskörner, die je nach der Spielart sehr verschieden (gelb, roth, blau oder weiß) gefärbt sind, stehen im Nährwerth unserm Getreide mindestens gleich und werden in allen maisbauenden Ländern zur Herstellung von Maismehl verwendet, aus dem man, wie angegeben, Brei kocht oder Brot und Kuchen bäckt. In Irland führt der Maismehlbrei den Namen Stirrabout (Aufhelfer, Aufdiebeinebringer), im Far West der Union aber heißt er Hominy und liefert mit einer Beilage von Schweinefleisch das Nationalgericht Hog and hominy. Die Kaffern, bei denen der Mais seit 1860 die Durrha immer mehr zurückdrängt, bereiten aus den vorher gekochten Körnern ebenfalls einen Brei, den sie Isicaba nennen und neben saurer Milch nach irländischer Manier mit dem Löffel ausstechen. Zum Zweck des Backens vermengt man in Europa das Maismehl mit Roggen- oder Weizenmehl (vgl. Brot), in Amerika aber bereitet man daraus ohne Zusatz flache, dünne, ungesäuerte Kuchen, die in der Union Johnny-cakes oder Corn-bread, in den Südstaaten auch Corn-dodgers (Maiszwieback), in Mexico aber Tortillas heißen. Außerdem verwendet man das Maismehl seiner Weiße wegen gern zu Puddings, Bisquits und sonstigem feinen Backwerk und bringt für diese Zwecke auch große Mengen Maisstärke unter dem Namen Maizena oder Mondamin in den Handel. Die unreifen Kolben werden geröstet (die Cancha der Peruaner), namentlich aber wie Pfeffergurken etc. in Essig eingelegt (Maiskölbchen, vgl. auch Grünkorn). Auch das reife Korn wird gedörrt und namentlich in Indien und im Orient auf der Reise unzerkleinert genossen. In Ungarn kommt er in Salzwasser gekocht oder auch gebraten als Dessert auf den Tisch. Endlich liefert der Mais auch ein Bier, die berühmte Ohicha de mals, die in manchen Gegenden geradezu das Trinkwasser vertritt und in fast ebenso vielen Sorten wie unser Gerstenbier vorkommt, und einen Branntwein, den Pulque de tlaolli der Mexicaner, das Tis der Apachen, dessen Genuß eines der Privilegien des aztekischen Adels ausmachte. Kurzum, das Welschkorn weiß sich unter den verschiedensten Umständen und in den verschiedensten Formen nützlich zu machen und würde bei seinem Reichthum an Stickstoffsubstanz unstreitig ein sehr gefährlicher Concurrent für unsern Weizen sein, wenn dieser ihm nicht an Schmackhaftigkeit bedeutend überlegen wäre.