Truthahn, Welschhahn, türkischer Hahn, Calecuter, in Oesterreich Indian und Pockerl, in Siebenbürgen Kartschhahn, in Oberdeutschland Grutt, in Niedersachsen Schruthahn, Puter, Kalkun oder Kuhne, in Preußen Kurre, „ist, wie Herr Heresbach bezeuget, erst um's Jahr Christi 1530 in unsern Ländern bekannt geworden, wird aber nunmehr wegen seiner Größe und zarten guten Fleisches auf allen reichen Maierhöfen ernähret“ (Hohberg). Der Truthahn stammt aus Amerika, wo er noch heute in der Union und in Mexiko als Federwild häufig ist, wurde bereits von den Azteken als Hausthier gehalten und gelangte wahrscheinlich schon 1505 durch Amerigo Vespucci nach Portugal, sowie noch vor 1516 als Geschenk des Bischofs Alexander Garaldini an Papst Leo X. nach Italien, wo seiner 1557 in einem Luxusgesetz des Rathes von Venedig und 1570 im Kochbuch des päpstlichen Mundkochs Bartolomeo Scappi gedacht wird. Nach England soll er 1524 gekommen sein und fand hier so rasche Verbreitung, daß man schon 1555 einen Truthahn um 4 Schillinge kaufen konnte, und daß er schon 1573 für den gewöhnlichen Weihnachtsbraten der Landjunker und Gutspächter galt. Frankreich erhielt ihn, wenn nicht schon früher aus Spanien, wahrscheinlich durch den Admiral Philipp Chabot, Seigneur de Brion, der 1532 England besuchte, und von den Franzosen ward der Vogel gleich von vornherein so richtig geschätzt, daß die Städte ihn bei Besuchen des Königs als Ehrengeschenk reichten, und daß er 1570 auf der Hochzeitstafel Karls IX. prangte — woraus dann gute Leute und schlechte Historiker den falschen Schluß gezogen haben, er sei in Frankreich damals noch selten gewesen. Deutschland hatte den Puter, wie erwähnt, um 1530 erhalten, und 1570 erzählt Conrad v. Heresbach: „Heut zu Tage werden in Deutschland schon da und dort große Heerden davon gezogen, theils der Seltenheit wegen, theils wegen ihrer Größe, indem sie sehr schmackhaft sind und als Leckerbissen bei Gastmahlen gelten“. In der That wurden 1578 bei der Hochzeit Wilhelms v. Rosenberg zu Krommenau in Schlesien 600 „indianische Hühner“ verspeist, und der Kurmainzer Mundkoch Max Rumpolt führt 1581 bereits Truthahngerichte in seinem Kochbuch auf. Die deutsche Truthahnzucht ist seit dem dreißigjährigen Kriege gründlich in Verfall gekommen, umso eifriger aber wird der Vogel in Frankreich und England und ganz besonders in Spanien, sowie in Ungarn gezogen, wo sich zum Theil noch bis heute die rührende Sitte erhalten hat, die Freude über den Besuch eines theuern Freundes durch das Auftischen eines gebratenen fetten Truthahns an den Tag zu legen. Ueber den gebratenen Indian mit Brunnenkreßgarnitur aber gehen nur zwei Dinge: Der gefüllte Truthahn und vor Allem der getrüffelte Truthahn mit gebratenen Ortolanen und in Wein gedünsteten Trüffeln garnirt; „diese Götterspeise, deren Ruhm und Preis () noch immer wächst, dies milde Gestirn, bei dessen Aufgang die Feinschmecker jeden Bekenntnisses glänzen, strahlen und vor Vergnügen mit der Zunge schnalzen“ (Brillat-Savarin). Die Füllung mit schwarzen Oliven, in Frankreich, Spanien und Italien an der Tagesordnung, hat bisher in den olivenlosen Ländern keinen Anklang gefunden, wohl aber weiß man hier die in Fett gebackenen oder gefüllten und in Weißwein gedünsteten Puterflügel nach Gebühr zu schätzen und begrüßt sie sogar als Suppeneinlage mit großem Vergnügen, wie man auch den in Butter gebratenen Truthahnschnitten mit Mayonnaise volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Auch wenn der Vogel bereits die weißgrauen Kinderschuhe ausgetreten und das erste Lebensjahr hinter sich hat, weiß er gedämpft mit Reis oder in Gelse oder als Fricassée noch immer für sich zu erwärmen, und selbst die Reste liefern mit Bechamelsauce, Butter und Pfeffer noch ein ehrenswerthes Hachis, dem ein Kranz von Spiegeleiern ganz besonders gut zu Gesichte steht. Dabei besitzt das Puterfleisch alle Vorzüge des Geflügelfleisches; es ist nicht blos schmackhaft, sondern auch überaus nahrhaft und verdaulich und somit eine wahre Perle für die Tafel des Kranken wie des Gesunden. In Anerkennung dieser Verdienste bezahlt man in Wien den Indian mit 4½¼½8 ½ Mark, in Paris aber, wo man sorglich zwischen Hahn und Henne, fett und mager unterscheidet, die magere Henne mit 5—65/, die fette mit 7½¼½—9¼ Mark, den magern Hahn dagegen mit 6½½2—9 und den fetten mit 8½—11½ Mark per Stück.