Cardamomen oder Paradieskörner, auch Guineakörner, heißen die dreifächerigen, mit kleinen, dreikantigen Samen gefüllten Fruchtkapseln verschiedener südasiatischer und afrikanischer Schilfpflanzen, deren Fruchtstände in den letzten Monaten des Jahres eingesammelt und an der Sonne gewelkt werden, bis sich die Kapseln abstreifen und mit Leich— — tigkeit über schwachem Feuer völlig austrocknen lassen. Man unterscheidet neben zahlreichen Varietäten im Allgemeinen vier Hauptsorten, von denen jedoch für die österreichische und deutsche Küche nur zwei in Betracht kommen: die gelben, 1—2 em langen kleinen oder Malabar-Cardamomen mit fein gewürzhaftem Geschmack und die graubraunen, 2½ bis 3½ em langen großen oder Ceylon-Cardamomen mit etwas schärferm Geschmack, die beide von zwei verschiedenen, auf Malabar und auf Ceylon im Großen angebauten Spiclarten der echten Cardamompflanze herstammen. In ihrer Heimat werden die Cardamomen von uraltersher als Gewürz gebraucht, in der europäischen Küche aber lassen sie sich erst seit der Zeit der Araber, also frühestens seit dem 7. Jahrhundert n. Chr., mit Bestimmtheit nachweisen. Vom Ende des 15. bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts spielten sie in derselben eine ziemlich wichtige Rolle, da man nicht nur alle möglichen Gerichte und Präparate damit würzte, sondern auch ein Cardamom-Confeet herstellte,‚ das als Herzstärkung für unübertrefflich galt. In Nord- und Osteuropa werden sie noch heute in Menge als Küchengewürz, in Mittel- und Westeuropa dagegen fast nur noch zur Liqueurfabrication und zur Herstellung feinen Backwerks Mareipan, Lebkuchen) verwendet, wozu sie sich auch ihres mehr milden als scharfen Würzgeschmackes wegen vortrefflich eignen. Deutschland führte im Jahre 1890 noch 314 q zum eigenen Gebrauche ein, während Oesterreich seinen gleichzeitigen Bedarf mit nur 6 g9 zu decken vermochte.