Frankenwein ist Krankenwein — aber beileibe nicht für schnöde Alltagsgebresten, für Husten, Hexenschuß und andern Jammer, sondern einzig für die allergrößten Schmerzen, die das Menschenkind zu tragen hat, den Weltschmerz und den Liebesschmerz. Rheinwein ist Sangwein, aber Frankenwein ist Kußwein, und im Kuß liegt Alles, auch Musik. Hört ihr's nicht klingen und kichern? Und die Würzburger Glöckli Ham a schön's Geläut, Und die Würzburger Mädli Sin kreuzbrave Leut'! Die „Würzburger Glöckli“, das sind die Betglocken Amors, die Glocken des Würzburger Frauenbergs — denn wo anders könnte der beste Kußwein gedeihen als am Frauenberg, als „auf der Leiste“, die über und über gedüngt ist mit dem kostbarsten aller Säfte, mit dem Blut der „Schwarzen“ des Bauernritters Florian Geyer, das dort im Mai 1525 beim Sturme auf die Veste in Strömen floß? Man spürt's aber auch dem Leistenwein noch heute an, daß warmes, tapferes Frankenblut in seinen Molecülen webt, denn freilich sind alle Frankenweine voll Kraft und Feuer, so markig aber wie er und zugleich so lieblich ist kein zweiter neben ihm. Dem Leistenwein zunächst steht der Steinwein vom Steinberge, dessen beste Lage, Eigenthum des Staates und des Bürgerhospitals zum heiligen Geist, den kräftigen, würzigen Heiligen Geistwein liefert, den ersten, der in „Bocksbeuteln“ (eigentlich kugelförmigen, aber plattgedrückten Flaschen) zum Versandt kam wie jetzt sämmtlicher Steinwein. An diese beiden Fürsten reihen sich als Granden der Ständerbühler, der Schalksberger und der Gressenwein von der „Harfe“ bei Würzburg, der Pfülben, der Spielberger und der Lämmerberger von Randersacker, der Kalmuth von Homburg am Main, der Saalecker vom Schlosse Saaleck bei Hammelburg und der Hörsteiner vom Abtsberg bei Seligenstadt, der ohne Umstände für einen Spanier ersten Ranges passiren kann; ferner ist der rothe Clevner ein vortrefflicher Wein, dem Affenthaler sehr ähnlich. Unter den Weinen zweiter Klasse sind der Collenberger von Fechenbach, der Haslocher und der Klingenberger die bekanntesten und beliebtesten. Alle diese Gewächse sind süße, goldfarbige Weißweine, die sich in der Jugend durch Feuer und Körperlichkeit, im Alter, das sie auf einige hundert Jahre bringen können, durch Bouquet, Feinheit und rheinweinähnlichen Geschmack auszeichnen. Allerdings werden im Mainthale auch vorzügliche Rothweine gebaut, die dem besten Burgunder ebenbürtig sind, aber Frankenwein schlichtweg bedeutet immer Weißwein und nur Weißwein, denn diese allein sind des Frankenlandes Ruhm und Blüthe.