Moselwein, das leichte, helle, ins Grüne schimmernde Product der Rebhöhen längs der Mosel von Trier hinunter bis Cochem, ist freilich kein Potentat wie der Rheingauer, auch kein Edelherr wie der Franke, aber doch ein lieber, frischer, erquicklicher Gesell, ein Abbild des Frühlings, dessen Uniform er trägt und dessen milden Duft er um sich verbreitet, ein rechter Lenzwein und daher auch im grünen Maien so voll Uebermuth, daß er Arm in Arm mit dem Waldmeister sein Jahrhundert in die Schranken zu fordern im Stande ist. Denn keinen bessern Saft gibt's für die rechte Maibowle als eben den Mosel mit seiner feinen, lieblichen Blume. Als Lenzwein par excellence hat er auch seine ganz besondere Eigenheit, einen ganz eigenthümlichen, leisen, aber unverkennbaren „Erdgeschmack“, der jedoch der Liebe zu ihm keinen Eintrag thut, denn diesem kleinen Gebrechen steht eine große, eine ganz unschätzbare Tugend gegenüber: ein Moselrausch ist nämlich keine Sünde, sondern eine der bestbekömmlichsten Ausschreitungen, die man auf Erden vornehmen kann! Daher das lateinische Dietum: Vinum Mosellanum est omni tempore sanum — Moselwein ist jeder Stund' jedem Menschenkind gesund. Dieser Lobspruch ist ausnahmsweise auch ein Wahrspruch, und das erklärt die Beliebtheit des Mosels weit über die Grenzen seiner Heimat und Deutschlands hinaus. Unter den verschiedenen Sorten, die sich hauptsächlich durch den größern oder geringern Säuregehalt und das feinere oder geringere Bouquet von einander unterscheiden, stehen in der ersten Reihe: der Pisporter, der Brauneberger, der Josephshofer, der Bernkasteler, der Zeltinger, der Graacher, der Karthäuserhofer und der Grün hauser, sowie der Neuberger, Oligsberger und Geiersleyer von den Schieferbergen des Dorfes Winterich. In die zweite Klasse gehören: der Minheimer, der Uerziger, der Kinheimer, der Kueser, Lieserer und Lösenicher, der Trarbacher, der Wehlener, der Enkircher u. a. m. Das vielgenannte Moselblümchen wächst eigentlich im Gemeindebezirk Eröv bei Wittlich auf dem linken Moselufer, in der Regel aber ist es ein mit Hollunderblüthen gewürzter Trank wie der „Königsmosel“ u. a. Alle diese Weine sind Weißweine, Rothwein wird im eigentlichen Bezirk des Moselweins nur bei Pisport und bei Maring gewonnen. Gute Bezugsquelle: Franz Wehr in Bernkastel an der Mosel.