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AllerleiAppetit-Lexikon 1894

Franzbranntwein (franz. esprit de vin), die durch Reinheit und Milde des Geschmacks ausgezeichnete älteste Branntweinart, wird in bester Qualität in Frankreich durch Destillation verschiedener Weinsorten erzeugt, von denen die weißen durchgängig ein feineres und würzigeres Produet liefern als die rothen. Die beste Sorte ist der Cognae, als zweite gilt der Armagnae aus dem Departement Gers, und die dritte bildet der Languedoe aus Nimes, Montpellier, Carcassonne, Cette, Perpignan, Toulouse u. s. w., der zumeist über Bordeaux, Marseille und Nantes in den Handel kommt und zwar weit geringwerthiger als der Cognae und der Armagnae ist, aber mit 30.—40 Theilen Wasser ohne Spirituszusatz einen wirklich guten und reinen Branntwein liefert. Spanien, Portugal und Neapel erzeugen nur geringere Sorten und decken ihren Bedarf an bessern aus Frankreich. Dagegen soll in Deutschland ein ganz vorzüglicher Franzbranntwein aus Rieslinggewächsen gewonnen werden — aber wo? Der landläufige deutsche Franzbranntwein wird entweder einfach aus sogenanntem „Cognacöl“ durch Zusatz von Wasser oder aus entfuseltem Kartoffelschnaps mit Zusatz chemischer Präparate zur Erzeugung des Aromas hergestellt und ist in der Regel nur zum Einreiben gut.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 182Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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