Frosch, die grüne Wasser-Nachtigall, wird zwar von delicaten Ohren gründlich verabscheut, von wahrhaften Kennern aber weit über die Busch-Nachtigall geschätzt, und das aus einem sehr triftigen Grunde: der Frosch hat Schenkel, und die Nachtigall hat keine oder doch so winzige, daß sie gar nicht der Rede werth sind. Um sich besagte Fros chschenkel zu verschaffen, schlägt man den Besitzer einfach auf den Kopf, löst die Hinterbeine aus dem Staatsverbande mit dem Rumpfe, durchschneidet das Schlußknöchelchen der kleinen Zehe und balgt dann durch Zurückstreifen der Haut das Bein regelrecht ab. Tüchtig gewässert, dann marinirt und endlich mit Butter und Gewürz in Weißwein gedünstet oder aber panirt und in Schmalz gebacken dürfen sich diese deliciösen Schenkel auf der besten Tafel sehen lassen und sind immer eines bewundernden Ahs! der Versammlung bei weitem sicherer als manche anerkannte Schönheit im fußfreien Kleide und sogar als manche Balleteuse in voller Uniform. Hat man doch einen sehr hohen höhern Staatsbeamten und vorzüglichen Schenkelkenner an fürstlicher Tafel den Kneifer aufsetzen sehen, um mit verklärter Miene einige mit Petersilie garnirte Froschschenkel zu bewundern! Auch als Suppen⸗- einlage gehören gedämpfte Froschschenkel zu dem Besten was die Küche zu bieten vermag, denn sie sind nicht blos schmackhaft und leicht verdaulich, sondern auch im höchsten Grade nährkräftig, mithin ein wahres Mustergericht für den Krankentisch. Die Hauptverehrer des Frosches sind die Belgier, die Franzosen und namentlich die Italiener, die sogar den ganzen Frosch mit Ausschluß des Kopfes und der Eingeweide verspeisen. Von Triest an bis zu den Pomündungen beschäftigen sich im Herbst und Frühjahr Tausende von Menschen mit der Froschjagd, und es gibt darunter Virtuosen, die binnen 4 oder 5 Stunden 12—15 kg Frösche fangen. In der Mark Brandenburg und in Schlesien ahnte man ums Jahr 1600 nicht einmal die Möglichkeit eines gedämpften Froschschenkels, und in ganz Norddeutschland gehört der Frosch sammt der Schnecke noch heute zu den Ausnahmegerichten. Auch in den Landen ober und unter der Enns war man noch um 1680 über die Zuträglichkeit dieser Speise sehr im Zweifel, hat aber schließlich alle thörichten Bedenken tapfer überwunden, und jetzt verspeist Wien seine 5000 —10 000 Paar Froschschenkel jährlich, je nachdem viel oder wenig zu haben sind. Die Laichzeit des Frosches fällt in den Mai und Juni, die eigentliche Froschsaison ist daher der Herbst (August bis October), doch kommen auch im März und April sehr gute Schenkel auf die Tafel.