FeedGründling oder Grundel
TierreichAppetit-Lexikon 1894

Gründling oder Grundel, österreichisch Grundel oder Sangel, ein 10—15 em langer Karpfenfisch mit einem kurzen Spielfaden an jedem Mundwinkel, bewohnt Europa und Westasien mit Ausnahme des höchsten Nordens und des äußersten Südens und bevorzugt zwar kiesgründige, klare Gewässer, jedoch ohne sich deshalb auf solche zu beschränken. Die Laichzeit fällt in den Mai und Juni, die eigentliche Gründlingssaison daher in den Herbst und Winter, doch wird der Fisch so ziemlich das ganze Jahr über gefangen und verwerthet, denn sein wohlschmeckendes Fleisch gilt mit Grund für ein treffliches Gericht. Namentlich gebacken bilden die Gründlinge „ein recht angenehmes Bündel Zahnstocher“, wie Grimod treffend bemerkt, und auch blaugesotten dürfen sie sich, mit grüner Petersilie garnirt und mit Essig gewürzt, unbedenklich auf die Tafel wagen, man wird sich immer gern mit ihnen unterhalten. Früher ließ man sie auch wohl vor dem Sieden sich in Mandelmilch zu Tode saufen — „gehört aber nur für Frauenzimmer und ist dieser Delicatesse leichtlich zu entrathen“. „Wird sowohl in der Donau als in andern einfließenden Wassern gefangen und bei allen Herrentafeln hochgehalten“, berichtet Hohberg. Uebrigens vergilt der Gründling gelegentlich Gleiches mit Gleichem: er ist ein „Leutfresser“, wie Konrad Geßner sagt. Als z. B. 1683 nach der Belagerung Wiens zahlreiche Türken- und Pferdeleichen in die Donau geworfen wurden, sah man die Gründlinge großartige Baechanalien feiern und dabei immer dem Menschenfleisch den Vorzug geben.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 207Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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