FeedJohannisberger
AllerleiAppetit-Lexikon 1894

Johannisberger, ein Hochgewächs vom Rhein, das sich selber lobt, sobald nur die Flasche geöffnet wird und sein unbeschreibliches Bouquet die Luft durchduftet. Schloß und Dorf Johannisberg liegen im Rheingau unweit Geisenheim dicht bei einander, aber nur das Weingelände des Schlosses, dem Fürsten Metternich gehörig, liefert den echten und gerechten Wein, dessen Ruf durch alle Lande geht, und der, wenn auch nicht absolut der beste, doch immer einer der besten des Rheingaus ist. Dieser Schloß Johannisberger kommt in zwei Sorten vor, nämlich Schloß Johannisberger Cabinet, ausgezeichnet durch größte Reinheit des Stoffs und des Geschmacks und namentlich völlig frei von jener pikanten Säure, die den Rheinwein so oft für den Ausländer unleidlich macht, aber auch 7—35 Mark per Flasche werthend, und einfacher Schloß Johannisberger, dem Cabinetwein an würzhafter Süße und Consistenz nachstehend, aber gleichfalls ein Wein ersten Ranges, der nur „gute“, katerlose Räusche schafft. Dem Schloßwein im All—- gemeinen ebenbürtig, bisweilen sogar dem Cabinet näher stehend ist der Johannisberger Klause von der „kleinen Klause“, einem Berge südlich vom Schloßberg gegen Geisenheim zu. Die vierte Sorte endlich bildet der Dorf Johannisberger aus dem weitern Umkreise des Schloßberges, dessen beste Lagen der bekannten Weinfirma Mumm zustehen. Der Dorf Johannisberger ist nur ein Rheingauer zweiter Klasse, nimmt aber unter diesen eine der ersten Stellen ein, wie man sich bei Eduard Sacher in Wien für verhältnißmäßig wenig Geld gründlich überzeugen kann.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 244Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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