Grüneberger, berüchtigt so weit die deutsche Zunge klingt und noch darüber hinaus, aber bei alledem besser als sein Ruf. Namentlich ist er in Wirklichkeit nicht ganz so sauer, wie der Nichtkenner auf Grund der allgemeinen Sage anzunehmen pflegt, und in guter Qualität ein ebenso trinkbarer Tischwein wie etwa der Ober-Ingelheimer oder der Bergsträßer. Unheilvoll wird er der Menschheit nur, wenn er unter falscher Flagge segelt wie jenes Faß „Malaga“, das die Stadt Grüneberg ihrem vielgeliebten König Friedrich Wilhelm III. verehrte, und mit dem dieser boshafter Weise seine Adjutanten regalirte: noch fünfzig Jahre später dachte einer der Herren mit ungeheucheltem Entsetzen an diese schreckliche Sorte zurück. Der Grüneberger Weindistriet umfaßt außer der Stadt Grüneberg die Dörfer Krampe, Jany, Lausitz, Kühnau, Sawade, Schertendorf und Heinrichau, deren Producte aber sämmtlich unter dem Namen des Grünebergers gehen. Man zieht sowohl Roth- wie Weißwein, welcher letztere jung von röthlicher, in höherm Alter von mehr ins Gelbe fallender Farbe ist und eine angenehme Süße besitzt, die sich mit der Zeit in Firne verwandelt. Beide Arten werden vorzugsweise zum Verschneiden anderer Weine gebraucht oder zu Schaumwein verarbeitet: der Grüneberger Mousseux und Oeil de perdrix ist der älteste deutsche Schaumwein und besaß schon um 1840 einen bedeutenden Kundenkreis, einen größern, als der natürliche Grüneberger sich je erworben und je erwerben wird.