Johannisberg oder Bischofsberg, schönes Bergschloß im Rheingaukreise des Regierungsbezirks Wiesbaden der preuß. Provinz Hessen-Nassau, 3 km von den Stationen Geisenheim und Sstrich—⸗ Winkel der Linie Frankfurt-Niederlahnstein-Koblenz der Preußischen Staatsbahn, ökmuoberhalb Rüdes— heim, hat teils durch den namentlich auf dem sich 104 müber den mlichen kauff erhebenden Schloß— berge in einem rötlichen kalkfreien Taunusschiefer— boden wachsenden vortrefflichen Rheinwein(den aus— gezeichneten Schloß-Johannisberger), teils durch die diplomatischen Zusammenkünfte, die mehrmals hier stattfanden, Berühmtheit erlangt. Das Bergschloß, 1722—32 auf den Ruinen eines alten, 1106 gegründeten Benediktinerklosters erbaut, ge— hörte früher nebst Zubehör zum Bistum Fulda, wurde 1807 von Napoleon dem Marschall Kellermann geschenkt, 1816 aber vom Kaiser Franz dem Naafton Metternich und dessen direkten männlichen Rachkommen zu Lehn gegeben, sodaß also die Fürsten von Metternich nur Nutznießer, keineswegs aber Eigentümer des J. sind. Das Schloß dient der fürstl. Familie zum Sommeraufenthalt. Von der vor dem Schlosse befindlichen Terrasse genießt man eine der lohnendsten Aussichten auf den Rheingau und in die Rheinpfalz bis zum Donnersberge; auch sieht man die Germania des Niederwalddenkmals. Auf dem freien Platze vor der Schloßkirche steht seit 1854 ein Standbild Johannes des Täufers. Bei dem Schlosse liegt das Dorf Johannisberg mit zwei Heilanstalten, einigen Villen, einer Maschinen-und einer Pianofortefabrik; es zählt 1300 E. und ist wegen gesunder Lage beliebter Luftkurort. Der hier gebaute Wein (Dorf⸗-Johannisberger) ist geringer als der Schloß-Johannisberger. ohannisblume heißt in manchen Gegenden Deutschlands die gemeine weiße Wucherblume (s. Chrysanthemum), in andern das Wohlverleih (. Arni ca). Jooaumisbrut s. unter Cochenille. ohannisbrot nennt man die Früchte des in den Ländern am Mittelländischen Meere wild wach— senden Johannisbrotbaums (Ceratonia Siliqua L.), auch Bockshorn oder Karoben— baum genannt. Derselbe ist die einzige Art der Gattung Ceratonia und gehört zur Familie der Leguminosen. Es ist ein schön- und dichtbelaub— ter Baum von apfelbaumartigem Wuchse, mit immergrünen, lederartigen, unpaarig gefiederten Blättern und unscheinbaren, blattachselständigen, grünlichroten Blütentrauben, deren kleine Blüten polygamisch sind und bloß einen Kelch, keine Blumenkrone besitzen. Den Namen J. haben die nicht aufspringenden Hülsen, welche in den Apotheken bei uns Siliquae dulces heißen, braun, 1012 em lang, glänzend und innen fleischig-markig sind, deshalb erhalten, weil sie nach der Sage Johannes dem Täufer in der Wüste zur Nahrung dienten. Sie besitzen einen angenehmen süßen Geschmack, aber einen widerlichen Geruch. In ihrem Vaterlande sind sie ein wichtiges Nahrungsmittel der ärmern Volksklasse, werden daselbst auch als Futter für Schweine, Rinder und Pferde benutzt und zur Bereitung eines starken Branntweins verwendet. Bei uns dienen sie mehr zur Näscherei. In Agypten und namentlich auf Cypern wird aus ihnen ein Sirup bereitet, in welchem man andere Früchte einmacht. Das harte Holz des Johannisbrotbaums ist sehr geschätzt, und Rinde und Blätter dienen zum Gerben. Die Kultur des Johannisbrotbaums ist im Orient uralt. Sie hat sich von dort über alle Mittelmeerländer verbreitet und wird in Europa namentlich im Süden Spaniens und Portugals, wo es förmliche Wälder dieses Baums gibt, und auf Sicilien betrieben.