Punsch, ursprünglich ein ostindischer Warmtrank, der, weil aus fünf Ingredienzien (Wasser, Thee, Arak, Zucker und Limone) bereitet, vom Zahlwort pang (im Sanskrit pantschan) fünf den Namen erhielt, auf gut deutsch also etwa „Fünferlei“ genannt werden müßte. Von den englischen Seeleuten seit Ausgang des 17. Jahrhunderts adoptirt und auch in den Hafenstädten der Nordsee und des Canals mindestens seit 1720 bekannt, fand der Punsch im Binnenlande doch erst nach dem siebenjährigen Kriege Eingang, wurde aber dann im Fluge allgemein beliebt, so daß man namentlich in Norddeutschland während der letzten drei Decennien des 18. Jahrhunderts die Thee- und Warmbier-Abende vielfach durch „Punschiaden“ (Punschkränzchen) ersetzte. Aus jener Zeit datirt die Sitte, wenn sonst nie im Jahre, so doch auf Sylvester dem Punschgotte zu opfern. Auch bereitete man schon damals nicht blos warmen Punsch mit Theewasser, sondern auch den beliebten kalten Punsch mit Rheinwein oder Champagner, zu dessen Herstellung Vaerst später ein originelles, aber beachtenswerthes Recept angegeben hat. „Ich habe die Gewohnheit“, sagt der preußische Baron, „am Ende eines reichen Diners alle angebrochenen Flaschen der verschiedensten Weine in eine Bowle gießen zu lassen, schwächere Weinsorten beizumischen, Zucker und viel Ananasscheiben, zwölf Stunden vorher in aufgelöstem Zucker gesättigt, dazu zu thun, und habe dadurch stets ein köstliches Getränk gewonnen“. Allerdings ist das mehr Bowle als Punsch, das Recept ist aber in der That nicht übel. Außer dem gewöhnlichen Punsch bereitet man — heutzutage indessen seltener als früher — auch Eierpunsch, indem man dem warmen Punsch Eier oder Eigelb zusetzt, Milchpunsch, der kalt aus der Flasche als Liqueur servirt wird, Eispunsch, Königspunsch, Gesundheitspunsch und in neuester Zeit besonders Römischen Punsch (Ponche à la romaine) aus Fruchtsyrup, Orangensaft, Rum und Eis. Uebrigens bedient man sich, namentlich wenn es sich um schnelle Bereitung handelt, in der Regel der Punschessenzen oder Punschextraete, die im Wesentlichen aus Arak oder Rum, Citronensaft und Zucker hergestellt und durch Zugießen von Theewasser im Handumdrehen in Punsch verwandelt werden. Dergleichen Essenzen, deren Urbild das englische Shrub (verdorben aus Scherbet!) darstellt, kommen hauptsächlich von Stockholm (J. Cederlunds Söner, Högstedt & Co.), von Göteborg (Ingelmann & Co., Broddelius & Ackermann, Malmberg & Peters), von Posen (H. Kantorowicz) und von Düsseldorf (Joseph Selner, Joh. Adam Röder, Fr. Nienhaus Nachf. etc.) in den Handel, sind aber immer nur Nothhelfer, die besser aus dem Spiele bleiben. Ein einsames Glas Warmpunsch ist übrigens ein gutes Hausmittel bei leichter Erkältung — vorausgesetzt, daß sich der Magen in Ordnung befindet, denn der Punsch wirkt allerdings wie auf den Geist ebenso anregend auf die Haut und die Blase, keineswegs aber auf den Magen und noch weniger auf die Zunge. Mit gutem Grunde steht er daher in der rationellen Speiseordnung am Schlusse des Desserts, und eben deshalb gehört der seit der Chicagoer Ausstellung aus Amerika importirte Brauch, ihn unmittelbar vor dem Geflügel oder Wildpret zu serviren, zu jenen Narrenstreichen des gastronomischen Dilettantenthums, von denen man mit König Ottokar ausrufen möchte: „Nun, Erde, steh' mir fest, Du hast noch keinen größeren gesehen!“