Reinfal oder Rheinfall (die zweite Silbe aber keineswegs das deutsche Fall, sondern das romanische Val für Thal) hießen im Mittelalter und noch bis zu Ende des 15. Jahrhunderts jene Weine, die vom oberen Rheinthal her nach Deutschland gelangten. Es waren das zunächst die Gewächse des Rheinthals selber vom Bodensee aufwärts bis zur Einmündung der Landquart, einer gesegneten Landstrecke, die noch heute im feurigen, dunkelfarbigen Completer von Malans den besten Rothwein der gesammten Schweiz, sowie in den sogenannten Herrschäftler Weinen von Malans, Freins und Mayenberg (Canton Graubünden), ferner im Buchberger von Rheineck und nicht minder im Bernegger, Dornacher und Balgacher des Cantons St. Gallen äußerst schätzenswerthe Sorten liefert, die den alten Ruf des Reinfalls vollkommen aufrecht erhalten. Dazu kamen dann noch über Chur herab die Weine des bis 1797 zu Graubünden gehörigen Veltlins (Val Tellina), der wohlbekannte Veltliner, dessen Stapelplatz noch heute Chur bildet (Weinhandlung von Schmidt & Conzetti daselbst), zumeist tiefgefärbte, herbe Sorten, unter denen der Salsella von Sandrio, der Grumello von Montagna und der Inferno von Pendolasco den ersten Rang einnehmen, während andererseits der Sforzato von Tirano sich durch seine angenehme Süße und der weiße Aromatico von Chiavenna sich durch seinen Wurzgeschmack hervorthut. Außer diesen Alpenweinen führte aber auch noch ein Weißwein Istriens den Namen Reinfal — sei's wegen seiner Trockenheit, die an den Geschmack des Veltliners erinnert, oder sei's, daß er ursprünglich gleichfalls auf der uralten Handelsstraße über den Splügen von Venedig her in die nördliche Schweiz und nach Deutschland gelangte. Dieser weiße Reinfall, der schon bei den Griechen als „Prätetianer“ und bei den Römern als „Pueiner“ bekannt und beliebt war, trägt gegenwärtig nach einem Dorfe des Küstenlandes nördlich von Triest den Namen Prosecco und kommt vornehmlich über Triest und über Venedig in den Handel. An letzterem Orte wird er häufig mit Malvenblüthe in Rothwein umgefärbt und dem Veltliner ähnlich gemacht, dem er zudem an geistigem Gehalt mindestens ebenbürtig ist. Uebrigens gilt sowohl der Schweizer wie der Prosecker Reinfal für ungemein gesund und schon der alte Plinius war dieser Meinung.