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TierreichAppetit-Lexikon 1894

Sterlet, Styrel, Stürl oder Störl, sieht zwar seinem großen Bruder, dem Stör, an Leibeslänge bedeutend nach, da er im Durchschnitt nur 30—50 em und nur ausnahmsweise Im lang wird, übertrifft ihn aber nach dem Urtheil der meisten Kenner an Zartheit und Schmackhaftigkeit. Namentlich in Rußland gilt sein fettes, weiches Fleisch für eine Leckerei ersten Rangs, und zwar bevorzugt man besonders die gelbbäuchigen Exemplare aus der Oka, Scheksna und nördlichen Dwina und bezahlt sie nicht selten mit 20 Mark per Kilo. Preußen versuchte daher schon unter Friedrich dem Großen und nochmals 1856, den köstlichen Fisch in Pommern einzubürgern, jedoch die Sterlets gingen nicht auf diese Absicht ein: sie mästeten sich allerdings Bäuche an „als wie der Doctor Luther“, verzichteten aber auf das Vergnügen der Fortpflanzung. Das Vorkommen des Sterlets ist daher immer noch auf das Schwarzmeer und den Kaspisee nebst ihren Zuflüssen, sowie auf die Ströme Sibiriens beschränkt. Bei Wien erscheint er regelmäßig und es gelangen daher in gewöhnlichen Jahren durchschnittlich 2000, in guten (wie 1891) auch 4000 kg Sterlet à 3½ —5 Mark auf dem Fischmarkt zum Verkauf. Der Rogen des Fisches liefert den feinsten Caviar, seine Schwimmblase die feinste Hausenblase, sein Fleisch wird wie das seiner Verwandten, des Störs, des Hausens und des Schergs, zugerichtet und mit anerkennenswerthem Eifer verspeist.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 525Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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