Tintenfische oder Kuttelfische, besser Meerkutteln, sind wunderliche Geschöpfe aus der Classe der Weichthiere, welche die Beine am Kopf, das Knochengerüst auf dem Rücken und statt des Blutes Tinte, d. h. einen schwarzen oder braunen Saft, im Leibe haben. Das Paradies der Kuttelfische ist das Mittelmeer, und in Italien sind sie auf jedem Fischmarkt zu finden; am häufigsten der Kalmar, der (ohne die Arme) im Durchschnitt 20 em lang und bis 10 kg schwer wird, und dessen zartes, wohlschmeckendes Fleisch für einen wirklichen Leckerbissen gilt. Fast ebenso sehr wird der kleine Blackfi sch oder kleine Tintenfisch geschätzt, während der durchschnittlich 15 em lange, allbekannte gemeine Tintenfisch, in Wien Sippe, in Italien Seppa genannt, sich keines besondern Rufs in der Küche erfreut. Dasselbe gilt von der Moschuskuttel, deren durchdringender Moschusgeruch zwar dem Italiener keine Kopfschmerzen macht, deren Fleisch aber jeder Spur von Wohlgeschmack entbehrt. Recht gesucht dagegen, so lange er jung ist und nicht über 500 g wiegt, ist der achtarmige Kielfuß, der Polpo der Italiener, und Poulpe der Franzosen, der auch an den atlantischen Küsten Frankreichs viel gefangen, dort aber fast nur als Angelköder verwendet wird. Das Fleisch der Meerkutteln kommt im Allgemeinen dem Schneckenfleisch am nächsten, ist aber durchgängig zäher. In Italien gehören diese Weichthiere durchaus zu den Volksnahrungsmitteln und werden nicht selten sogar roh verzehrt. In Wien kommen der Kalmar und die Sippe auf dem Markt vor und werden mit Essig in Salzwasser gesotten oder gebacken aufgetischt, gelten aber mit Recht für ein Armenessen. Im 16. Jahrhundert freilich durften sie sich sogar auf der Hofburg zeigen und wurden, in Butter gebacken, für einen Kaiserbissen angesehen.