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AllerleiAppetit-Lexikon 1894

Trauben bilden bei ihrem Wohlgeschmack, ihrer Saftfülle und der Zartheit des Zellenfleisches ein sehr beliebtes und sehr verdauliches Obst, das nicht blos als Leckerei, sondern auch als Arznei, und zwar bei der sogenannten „Traubencur“ sogar bis zu 3 Kilo per Tag, mit großem Vergnügen verspeist wird. Natürlich kann jede reife Traube als Tafeltraube dienen; man belegt jedoch nur solche Sorten mit diesem Namen, die sich neben ihrem Wohlgeschmack auch durch Größe, zarte Hülse und schöne Form der Beeren auszeichnen, darunter namentlich die verschiedenen Muscatellersorten, die Gutedelvarietäten, den rothen und den grünen Sylvaner, den blauen Portugieser, den frühblauen Burgunder, das große blaue Ochsenauge, die blaue und die weiße ungarische Eicheltraube, die Cypertraube, die Meraner Curtraube (Edelvernatsch), den weißen Elbling, den blauen Trollinger u. a. m. Der Handel mit diesen Tafeltrauben gewinnt von Jahr zu Jahr an Ausdehnung, besonders wird der Absatz nach England, Norddeutschland und Rußland immer bedeutender. Auch Wien bezieht nicht unbedeutende Mengen ausländischer Trauben, und zwar nicht blos die prächtigen französischen, sondern auch jene mehr bestechenden, langbeerigen spanischen Sorten, an deren hartem Fleisch man höchstens in der grimmigsten Noth, d. h. im März und April, Gefallen finden kann. Früher kamen die meisten Tafeltrauben getrocknet auf den Markt, in neuerer Zeit zieht man jedoch trotz des höhern Preises allgemein die frisch conservirten Trauben vor. Namentlich macht Paris alljährlich im Frühling in diesem Artikel bedeutende Geschäfte, da die dort befolgte Methode, die Trauben an ihrem Holze hangend aufzubewahren, die Waare wunderbar frisch erhält. Außer Frankreich liefern Portugal, Spanien, Italien, Smyrna und Astrachan bedeutende Mengen Tafeltrauben nach dem Norden, wo sie namentlich in den Monaten zwischen Weihnachten und Ostern zu den gefeiertsten, aber auch kostspieligsten Bestandtheilen des Desserts gehören.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 553Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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