FeedMelonen
Haus & KücheAppetit-Lexikon 1894

Melonen, 1—2 kg schwere, ei⸗ oder kugelförmige Gurkenfrüchte von weißer, gelber oder grüner Farbe und von der Gurke, dem Kürbis und der Arbuse hauptsächlich durch den höhern Zuckergehalt (2—21½%%) verschieden, werden in Südeuropa auf dem Felde, in Oesterreich-Ungarn zum Theile auf dem Felde, aber auch wie in Südfrankreich im Garten, in Deutschland, Nord⸗ und Mittelfrankreich, England und Holland im Mistbeet gezogen und bilden, wenn gut, ganz vorzügliche, wenn mittelmäßig, höchst erbärmliche Tafelfrüchte. Die gute Melone kennzeichnet sich äußerlich durch den starken, fleischigen Stiel, durch verhältnißmäßig hohes Gewicht und durch einen gewissen Grad von Härte. Das weiße oder gelbe Fleisch hat einen süßen, ananashaften Geschmack, riecht erfrischend würzhaft und ist von solcher Zartheit, daß es auf der Zunge zergeht. Die Melone wird daher mit Vorliebe zum Nachtisch gegeben, und zwar ißt man die Schnitten roh, in Ungarn mit Paprika, am häufigsten aber mit Zucker, obgleich die Herren Perser dies für eine gastronomische Todsünde ansehen und Vaerst Recht hat mit seinem Ausspruche: „Pfeffer, nicht Zucker, sollte zur Melone gegessen und ein feuriges Glas Wein darnach getrunken werden — unter diesen Voraussetzungen ist sie ein leicht verdauliches Obst“. Wer seines Magens nicht sicher ist, thut am besten, die Melone zu meiden oder sie nach persischer Manier nüchtern und dann nach Vaerst's Vorschrift zu genießen. Außerdem werden reife Melonen zu Marmelade eingesotten, unreife aber in Streifen geschnitten und in Oesterreich, Deutschland und Frankreich in Zucker, in England in Essig eingekocht. Die Melone ist in verschiedenen Spielarten in Indien und in Centralafrika zu Hause, man genoß aber sowohl am Ganges wie am Nil nur die wildwachsenden Früchte. Erst zur Zeit Christi wurden daher Griechen und Römer mit der Frucht bekannt, konnten ihr aber keinen Geschmack abgewinnen. Das Vaterland der europäischen Melonencultur ist daher nicht Italien, sondern Spanien, wohin die Araber zuerst bessere Sorten brachten, und daher, nicht aus Armenien, dürfte auch die treffliche Warzenmelone stammen, die in Italien zuerst im Garten des päpstlichen Schlosses Cantalupo in der Mark Ancona gezogen wurde und davon den Namen Cantalupe erhielt. Diese Cantalupe verbreitete sich schnell über ganz Italien und weiter nach Norden: König Karl VIII. brachte sie um 1490 nach Frankreich, und Kaiser Friedrich III. aß sich 1493 den Tod daran — wie anzunehmen steht, mit großem Vergnügen. Seitdem war natürlich der Ruf und das Fortkommen der Melone gesichert. Spanien aber ist bei alledem in Europa ihr Leibland geblieben: sie ist die saure Gurke der Spanier, namentlich des Königreichs Valeneia, dessen melones für die besten im ganzen Reiche gelten, zu Zehntausenden auf den Markt kommen und zur eigentlichen Melonenzeit, im August, nur 8—10 Cents (etwa 5 Kreuzer) per Stück kosten. Glückliches Valencia!

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 345Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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