FeedSalbei
HeilkundeAppetit-Lexikon 1894

Salbei, eine stark aromatische Labiate des europäischen Südens, die schon zu Karls des Großen Zeit als Arznei- und Würzpflanze in die mitteleuropäischen Gärten gelangte und sich, wenn auch ihre culinarische Verwendung stetig abnimmt, doch als Ziergewächs darin behaupten wird. Für die Küche kommen von den zahlreichen Arten nur zwei in Betracht: die Muscatellersalbei oder der Scharlei, die, in Oesterreich so gut wie unbekannt, in Westdeutschland auf sonnigen Rainen verwildert vorkommt und den eigenthümlichen Geruch der Muscatellertraube besitzt, so daß die Blätter vielfach in der Weinfabrication, namentlich zur Parfümirung der Obstweine verwendet werden, und die Garten- oder Kranzsalbei, mit weichbehaarten Blättern und blaßblauer, röthlicher oder weißer Blüthe, die bis über den Polarkreis hinaus in den Gärten gezogen wird. Diese Gartensalbei, in Oesterreich Salfa, in Niedersachsen Sälwe genannt, dient vielfach als Würze des Schweinebratens, verschiedener Fischbraten, besonders des Aals und des Blaufelchens, und namentlich zum Mariniren der Fische, da ihr durchdringender Geruch und etwas bitterer Geschmack die Fadheit des Fischfleisches vortheilhaft verdeckt. Sie mit Schmalz abzubacken, ist nahezu gänzlich außer Gebrauch gekommen. In England wird sie seit Ende des 17. Jahrhunderts im Großen cultivirt und im Lande selber zur Parfümirung des Gloucesterkäses verwendet, hauptsächlich aber nach China exportirt, wo sie als Heilmittel und Theersatz in größtem Ansehen steht.

Appetit-Lexikon. Ein alphabetisches Hand- und Nachschlagebuch über alle Speisen und GetränkeHrsg. von Robert Habs und Leopold Rosner, 2. Aufl., Wien: Gerold 1894 · Bd. 1, S. 474Scan: Wienbibliothek im Rathaus · gemeinfrei

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