FeedAuerhan
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Auerhan, Urogallus, Tetrix, Tetraon, de bruyere, ist ein gar ansehnlicher und zierlicher wilder Vogel, an dem der Kopff, Brust und Bauch schwartz ist, der Hals aber hat Aschen-graue Schwing-Federn, davon die langen mit Seegrünen, die kleinen aber mit Castanien-braunen Flecken gesprenget sind. Unter den Flügeln erscheinen theils weisse, theils graue und gläntzende Federn. Der Rücken siehet Castanien-braun und schwartz gesprenget aus; der schwartze Schwantz aber hat weisse Flecken, deren er ie älter, ie mehr bekommt. Seine Länge vom Schnabel bis zum untersten seiner Füsse träget nicht über 5 Spannen aus, seine Schwere auch niemahls über 14 Pfund. Der Auerhanen-Fang wird durchs Schiessen practiciret, und zwar zu keiner gelegenern Zeit, als wenn er brunstet oder faltzet, vornehmlich im Februario oder Martio, alsdenn er wenig höret und siehet, und darüber desto besser zu beschleichen ist, welches sich hergegen zu andern Zeiten nicht so wohl thun lässet, weil er dermassen scharff höret, daß, wenn auch nur ein dürres Holz zertreten wird, er nicht lange verzeucht, sondern gleich durchgehet, wie man ihn denn auch nicht habhafft werden kan, wenn er nicht wircklich faltzet oder schreyet, derhalben man gemeiniglich so lange lauren und stille seyn muß, bis er anhebt zu schreyen, daß man ihn bey der Gelegenheit erhasche. Vielmahls wird er auf den Heiden mit Drat-Schlingen und andern Fallen ertappet. Sie gehören zur hohen Jagd, und pflegen grosse Herren vielmahls in der Faltz-Zeit diesem feltenen Feder-Wildpret nachzugehen.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 77–78Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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