Bezoar, Bezoar-Stein, Es giebt solcher zweyerley, einer kömmt aus Egypten, Persien, Jndien, China, der andere ist ein Occidentalischer, und kömmt aus America. Dieser aber ist ein rauher, insgemein grauer Stein, von unterschiedener Grösse und Gestalt, und welcher aus vielen über einander liegenden Schalen zusammen gewachsen, welche inwendig entweder hohl, oder einigen Saamen, oder sonst was in sich halten; werden meistens aus Peru von den Portugiesen und Spaniern gebracht. Es werden solche Steine in verschiedenen Thieren, meistens aber in einer Art Gemsen gefunden, vornemlich in den alten, indem solcher Stein, wenn er sich im Magen an etwas hänget, seine über einander liegende Schalen nach und nach in vielen Jahren ziehet, so von den besten Kräutern, die das Thier frisset, entstehen. Der Farbe nach sind sie insgemein weiß, grau, schwärtzlich, mit weiß vermenget, oder grünlich bunt. Der Grösse nach übertreffen sie den Orientalischen Bezoar, daß sie zuweilen öffters wie Hüner-Eyer sind, manchmahl rund oder oval, öffters auch viereckigt. Diejenigen, so etwas grünlicher Farbe, und wie die Orientalischen aussehen, wenn sie inwendig zumahlen gläntzende Streiffe haben, und aus Peru gebracht werden, sind die besten. Die allerbesten aber sind die Orientalischen Bezoar, welche von einer gewissen fremden Art Thiere, absonderlich Geis oder Ziegen, so im Königreich Golconda zu finden, herkommen. Es sind dieser Art Steine gantz glatt, iedoch etwas mürb, und bestehen inwendig aus vielen zarten Schalen, so wie die Zwiebel-Schalen über einander gewachsen; von Farben grünlicht oder grünschwartz. Sie werden aber nicht bloß in den Magen oder den Excrementen gefunden, sondern in einem härichten Säcklein oder Haut, so von aussen voller rauhen, kurtzen und braunen Haare, und in der Grösse eines Gans-Eyes ist; wachsen auch noch mit einer andern dünnen Haut und weisser Schalen. Weilen nun dieser Stein sehr pretiös, als wird er auch sehr nachgemachet und verfälschet; einem solchen aber zu entgehen, werden verschiedene Proben vorgeschlagen. z. E. Wenn er mit einem spitzigen Eisen nicht bald kan eröffnet werden, so ist er gut; oder, so er auf Papier, welches mit Kreide vorher geschmieret worden, sich grün reibet, wird er auch paßiret: Wirfft man ihn in ein Wasser, und er macht es gleichsam siedend, ist er auch unverfälscht. Der rechte aber und unverfälschte ist glatt, grünlicht, und wenn er gerieben wird, bleibt er insgemein schwartzgrün. Der Occidentalische Bezoar hat auch ferner seine Probe, daß er rauh und grau, und keinen Glantz hat, wiewohl dieses wohl und leicht nach zu machen. Plinius meinet, es sey der Bezoar die Augen der Hyænæ, als welche eines steinichten Wesens wären, daher er sie auch gemmas Hyænæ nennet. Andere vermeinen, der Bezoar-Stein erwachse aus den zusammen geronnenen Thränen eines Hirsches: Denn wenn die Hirsche im Frühling die Löcher der Schlangen durchsuchen, und selbige durch den Odem ihrer Nasen heraus ziehen, hernach zur Reinigung ihres Leibes auffressen, so lauffen sie gleich damit zu einem frischen Wasser, und weltzen sich so lange darinnen, bis sie mercken, daß der Schlangen-Gifft überwunden ist: Mittler Zeit schiessen durch die Krafft oder Gewalt des Giffts in ihren Augen ein Hauffen Thränen hervor, welche, wenn sie erhärten, der herrlichste Bezoar, oder die beste Artzeney für das Gifft seyn sollen. Sonsten giebt es auch Bezoar cervinum, Hirsch-Kugeln, welche äusserlich weißgelb anzusehen, und ebenfalls aus vielen über einander liegenden Blättlein bestehen, werden in den Gedärmen und Magen der Hirsche gefunden. Also giebt es auch Bezoar mulinum, welcher eben wie ein anderer Bezoar-Stein aus vielen über einander liegenden Blättlein bestehet, und in den Magen der Maul-Esel gefunden wird, und soll fast eben die Kräffte als die andern haben. Jngleichen Bezoar Simiarum, Affen-Stein, so in den Affen, meistentheils auf der Jnsel Maccasser, gefunden wird, 6 Gran von demselben sollen mehr thun, als von dem rechten Bezoar ein halb Qvintel, daher auch ein Stück mehr als 100 Thaler kosten soll. Wie nicht weniger Bezoar equinum, davon unten Hippolithus nachzusehen.